Ulrike Schweikert – Nosferas

nosferasUlrike Schweikert beginnt mit „Die Erben der Nacht – Nosferas“ eine Vampirserie für Jugendliche: in Europa gibt es um 1870 eine Reihe von alten Vampirfamilien, die Nosferas in Rom, die Pyras in Paris oder die Dracas in Wien. Um ein Überleben ihrer Art zu sichern, beschließen die Oberhäupter der Familien, sich zusammen zu tun und ihre Kinder gemeinsam erziehen zu lassen – jedes Jahr in einer anderen Stadt, von einer anderen Familie.
Als erstes ist Rom daran, und alle Vampirjugendlichen werden nach Rom gebracht, begleitet von ihren „Schatten“, unreinen Vampiren, die ihnen dienen. Auch wenn sich die Jugendlichen zuerst nicht leiden können – vor allem die Wiener Vampire fallen durch ihren Hochmut und ihre übertriebene Eleganz auf, wohingegen die Pariser eher verwahrlost scheinen – entstehen doch bald erste Freundschaften in der Schule, untergebracht in der Domus Aurea, dem ehemaligen Palast Neros. Und neben ihren Schulstunden unternehmen die jungen Vampire Ausflüge in das nächtliche Rom, die immer gefährlicher werden: Vampire werden ermordet, Vampirjäger gehen um, irgendwie scheint der Vatikan in die Geschehnisse verwickelt zu sein. Daneben aber zieht noch eine weitere, unheimliche Gestalt durch die Ruinen – weder Vampir noch Mensch…
Vier Jugendliche stehen im Mittelpunkt der Geschichte, Alisa aus Hamburg, Luciano aus Rom, Ivy mit ihrem weißen Schäferhund aus Irland und Franz Leopold aus Wien. Auch wenn sie so verschieden sind, wachsen sie im Lauf der Geschichte immer mehr zusammen.

Die ersten 150 Seiten sind eher zäh, es wird viel geplaudert, viele Personen und Namen tauchen auf, nicht viel passiert. Doch dann zieht das Tempo der Geschichte an, die vielen Fäden verbinden sich miteinander und es wird spannend. Dieser Roman kann für sich selbst stehen, hat eine sinnvolle abgeschlossene Handlung, doch manche Dinge bleiben offen, so dass klar wird, dass die Auflösung bis zu den nächsten Büchern warten muss. Schweikert bringt viel von der Atmosphäre Roms mit hinein, viele historische Details finden Erwähnung (manchmal vielleicht ein wenig zu gewollt) und so befindet man sich während der Lektüre im Rom des 18. Jahrhunderts, als die Überreste des antiken Roms noch weitgehend verborgen unter Schutt und Erde lagen.
Action setzt am Ende ein, dazwischen ein wenig Grusel – alles in allem gut gemacht. Ich würde das Buch eher für 13jährige ansetzen, und hier auf alle Fälle für Vampirliebhaber – denn das muss man sein, sonst ist dieses Buch nichts für einen.
1 Stern Abzug für den langsamen Beginn und die Teile, in denen sehr viel gesprochen bzw. eher langweilig über „schulische Themen“ disktutiert wird. Auf alle Fälle hat mich das Buch neugierig auf eine Fortsetzung gemacht!

Advertisements

Boris Pfeiffer – Celfie und die Unvollkommenen

celfie.jpgCelfie Madison ist ein besonderes Mädchen. Ihre strahlend blauen Augen erwecken Graffitis zum Leben und genau deshalb ist Sie in Gefahr. Ein lebendig gewordenes Graffiti braucht Glenn Single Despott um die Gedanken der Menschenwelt kontrollieren zu können. Celfie stellt sich dem Kampf gegen Glenn und glücklicherweise ist Sie hierbei nicht allein. Die Unvollkommenen – Ihre lebendig gewordenen Graffitifreunde – kämpfen an Ihrer Seite…

Der Einstieg mit Celfies Flucht aus dem Moonson Tower ist gelungen. Es kommt Spannung auf. Was ist passiert? Die Puzzleteile setzen sich langsam zusammen. Originell ist die Idee der lebendigen Bilder und Celfies bunter Heimat Farbek. Was plant Glenn Despott? Celfie hat es mit einem hinterhältigen Gegner zu tun, der sein wahnsinniges Ziel unbeirrt verfolgt. Die Namen sind häufig so gewählt, dass sie etwas über die Charaktere verraten. Nicht ganz lebensnah und zu hölzern wirken anfangs die Dialoge. Das gibt sich im Laufe der Geschichte. Mit Celfies besonderem Fluchtweg steigen Spannung und Atmosphäre. Ein besonderes Talent verleiht ihr zusätzlich Persönlichkeit. Die Hauptfigur kommt sympathisch rüber. Zu viel Raum nimmt das Thema „Angst“ ein. Die Menschenwelt wird sehr trist dargestellt. Machtgier, Unterdrückung, Armut, das überwiegend Negative wiegt schwer. Der Kontrast zur unbekümmerten Farbek-Welt ist groß. Ist die Erde in einer Phantasiezeit gemeint? Das Übertriebene hätte es nicht gebraucht. Graffitis sind aus unserer Zeit, und es fällt leicht, sich in die Geschichte hineinzuversetzen. Celfie muss ihr Abenteuer nicht alleine bestehen. Ihre Mitstreiter sind besonders und erhöhen den Unterhaltungswert. Der Kampf Gut gegen Böse wird auf originelle Weise dargestellt. Ist Glenn Despott allen einen Schritt voraus? Im letzten Buchdrittel nehmen die Emotionen zu. Bei einem Handlungsort werden die hochgeschnellten Erwartungen etwas enttäuscht. Sehr schräg ist die Auflösung um Glenns Plan. Parallelen zur Realität sind aber auch auf den letzten Meter zu erkennen. Einheitsbrei gegen Vielfalt, Manipulation gegen Kampfgeist um die Freiheit. Wer gewinnt am Ende? Selbst der Showdown hat Ungewöhnliches parat.

Die Zeichnung von Celfie wirkt trist und traurig und passt so gar nicht zur schillernden Hauptfigur. Fluschfummel auf der Buchrückseite ist viel besser gelungen. Der kreative Titel zieht die Aufmerksamkeit aufs Buch. „Celfie und die Unvollkommenen“ ist für Kinder ab 11 Jahren gedacht und eine Ode an die Phantasie. Ich persönlich finde dass die Covergestaltung nicht ganz so toll gelungen ist. Für meinen Geschmack und dem Hintergrund dass es ein Kinderroman sein soll ist es zu düster… schlägt man dann aber das Buch einmal auf erscheint im Inneneinband ein wunderschön gestalteter, farbenfroher Drache den ich persönlich eher auf das Frontcover gesetzt hätte. Alles in allem ein tolles Kinder- und Jugendbuch das ich persönlich auch als Erwachsener nicht aus der Hand legen konnte und es demnächst dem Sohn meiner Freundin vorlesen werde. Ich bedanke mich auf diesem Wege noch beim www.loveleybooks.de Team dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte.

Monica O Rourke – Vergifteter Eros

erosIch lese Horror… vor allem immer wieder gerne die Festa-Extrem-Reihe… und bevor ich meine Meinung über diesen Roman äußere möchte ich mich als allererstes ganz lieb bei Inge Festa bedanken. Ich habe auf deren Website www.festa-verlag.de unter der Sparte Extrem entdeckt dass ein neues Werk von Monica O Rourke erscheinen wird. Da ich von Ihrem Erstlingswerk Quäl das Fleisch absolut hingerissen war wollte ich das Buch unbedingt lesen… und zwar sofort!!! Ehrlich gesagt, wollte ich nicht bis zum regulären Veröffentlichungstermin warten… also war ich (meiner Meinung nach auch etwas unverschämt) 😉 und habe Inge Festa direkt angeschrieben mit der Bitte ob ich das Buch lesen und auch rezensieren dürfte. Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt hat mir Inge persönlich zurückgeschrieben dass Sie mir ein Rezensionsexemplar zukommen lässt. Ja ich habe mich sehr gefreut. Nicht nur dass meine Anfrage schnell und vor allem persönlich zur Kenntnis genommen wurde sondern auch weil ich ohne Schmarotzerhaft wirken zu wollen ein Buch kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen habe, was nicht selbstverständlich ist. In diesem Sinne vielen Dank an den Festa-Verlag und persönlich auch an Inge und Frank. Nun aber zum eigentlichen Sinne dieser Rezension… einem harten, kranken und doch begeisterungsfähigen Buch:

Es geht direkt los wenn die Heldin der Geschichte Gloria, Tierpornos dreht um Geld für Drogen zu kaufen. Nach Tieren geht es mit Dämonen weiter, was ich recht einfallsreich fand. Man merkt, bis Gloria in der Hölle landet, dauert es etwas und wer denkt, es wäre bis dahin schon schlimm gewesen, hat noch gar nichts gesehen. Gloria ist ein ausgewaschener Pornostar, die ihre Drogensucht über ihre Familie stellt. Als beides beginnt sich zu vermischen, Ihr Drogenkonsum und Ihre Filmdrehs mit zwielichtigen Agenturen, merkt Gloria erst viel zu spät dass Sie sich an einem Punkt befindet in dem Sie wortwörtlich die Hölle auf Erden durchlebt. Gloria die jedoch bisher schon ein sehr hartes Leben hatte empfindet die Qualen der Hölle nur als eine weitere Prüfung, die es zu ertragen gilt – und es stellt sich heraus, dass ihre alten „beruflichen“ Fähigkeiten auch im Jenseits nützlich sind…

Etwas wie vergifteter Eros habe ich noch nicht erlebt. Das Autorenduo splattert was das Zeug hält. Eine kranke Idee jagt die nächste und obwohl einen so etwas bei manch anderem Autoren schnell langweilt, schaffen Monica O Rourke und James Wrath White es dank einer interessanten Handlung über eine Frau, welche sprichwörtlich durch die Hölle geht, um dann zum Gegenschlag anzusetzen, uns durchgehend zu unterhalten. Der Schreibstil ist flüssig und ich kann mir vorstellen, dass White und Rourke sich etwas abgewechselt haben, denn hier und da merkt man doch kleine Unterschiede in den einzelnen Kapiteln.

Die Geschichte ist ultrabrutal, pervers und vollkommen krank, aber gut geschrieben und spannend. Ich persönlich habe es jedenfalls schnell durchgelesen, um zu erfahren, wie es endet. Lesen sollten es aber nur Fans des absoluten Extremhorrors. Wer nur King und Koontz im Regal hat, schaut sich besser nach was anderem um. Freunde von Edward Lee sind schon eher an der richtigen Adresse. Das mag jetzt nicht abwertend klingen oder „Unerfahrene“ davon abhalten dieses Buch nicht in die Hände zu nehmen aber ich finde es manchmal schon etwas unfair dem Autor gegenüber wenn Leser, die eigentlich im Bereich Fantasy unterwegs sind sich an ein extremes Werk wagen und dann den Autoren und Leser denen dieses Genre einfach gefällt als krank und pervers hinzustellen. Denkt einfach mal drüber nach… Deutschland… freie Meinungsäußerung und so darf auch jeder Lesen was er mag und es darf jedem Gefallen dem so etwas nun einmal gefällt… nicht jeder der gerne Horrorfilme sieht, Horrorbücher liest denkt in irgendeiner Weise so wie die Protagonisten einer Geschichte… wir sind ganz normale Menschen die einem ganz normalen Beruf nach gehen, ganz normale Familien um sich herum haben und nebenbei ganz normal die Simpsons anschauen um sich vor lachen zu kugeln weil Homer genauso ist wie man selbst eigentlich… aber ich schweife ab… Als erfahrener Horror-Fantasy-Leser der sich immer wieder gerne in das Extrem-Genre entführen lässt um sich atemlos, geschockt aber auch mit dem ein oder anderen Schmunzeln immer wieder auf neues einlässt ohne zu verurteilen sondern einfach nur zu lesen und sich von den Geschichten die Autoren für uns auf Papier bringen gibt es einen Teil in mir, der Poisoning Eros für das, was in seinem schwarzen kleinen Herzen ein hübsches Standard-Moral-Spiel mit viel zusätzlichen Schock-Werten ist, entlassen will. Das heißt, es gibt zwei sehr starke verwandte Punkte zu seinen Gunsten. Das erste ist, dass, sobald Sie die Eröffnungsszene hinter sich haben und Sie sehen, wo die Stücke in diesem Puzzle passen, es offensichtlich wird, dass weder White noch O’Rourke in diesem Fall einen Schock für den Schock machen mussten. Es gibt einen Grund für all das verdorbene, degenerierte, ekelhafte Zeug, das einem in dieser Geschichte zu Beginn noch als völlig Sinnfrei erscheint. Die Tatsache, dass nichts in diesem Buch kostenlos ist, vor allem, dass es in der Tat seinem Ruf gerecht wird, ist ziemlich groß und nicht umsonst erscheint dieser Roman in der Festa-Extrem-Reihe… und dann ist da noch die Schlussszene, über die ich absolut nichts sagen kann, ohne das ganze Spiel preiszugeben. Ich kann und möchte nur soviel dazu sagen dass dieses Buch zu Recht in der Festa-Extrem-Reihe erscheint…

Christoph Marzi – Grimm

grimmWer kennt sie nicht, die Märchen der Gebrüder Grimm? Als kleine Kinder haben wir uns vor dem großen bösen Wolf gefürchtet und als Erwachsener denkt man natürlich mit keinem Deut mehr daran, das ist doch sowieso alles erfunden! Oder doch nicht?
Für Vesper Gold bricht eine kleine Welt zusammen, als sie vom Tod ihres Vaters erfährt. Keiner kann ihr genau sagen, was ihm zugestoßen ist und das Unheil nimmt erst richtig seinen Lauf, als sie ihre Mutter aufsuchen will. Auch sie ist tot, getötet von einem pflanzenähnlichen Viech und einem bösen Wolf, der Vesper droht, sie aufzufressen, wenn sie nicht sofort den Schlüssel und den Ring hergeben würde, den ihr der Notar ihres verstorbenen Vaters zukommen lassen hat. Vesper ist völlig verwirrt und kann in ihrer panischen Angst gerade noch vor dem Wolf fliehen. Dann fallen sämtliche Kinder in Europa immer wieder in einen mysteriösen Tiefschlaf und alle Eltern haben den gleichen Traum. Seltsame Dinge gehen in der Welt vor, Wölfe werden gesichtet und Vesper rutscht immer tiefer in das Schlamassel, dass ihr ihre Eltern hinterlassen haben. Hinein in eine Welt, in der Märchenfiguren real und die Gebrüder Grimm soetwas wie Kopfjäger sind.
Wenn ich jetzt noch detailierter auf die Geschichte eingehen würde, dann wäre der ganze Reiz verloren, das Buch zu lesen. Die Geschichte baut sich nämlich rasant auf und nimmt immer neue Wendungen, die sich nur schlecht wiedergeben lassen, ohne etwas zu verraten. Jedenfalls beginnt für Vesper ein abenteuerliches Spiel gegen die Zeit, denn bald schon werden die Kinder für immer schlafen.
Der Gedanke, Märchenfiguren real und sie aus Zorn über die Ungläubigkeit der Menschen aufsässig werden zu lassen finde ich einfach nur klasse. Noch dazu spielt die Geschichte in einer deutschen Stadt, die einige wie ihre Westentasche und mit Sicherheit jeder vom Hören her kennt, was das Ganze viel greifbarer und spannender macht. „Grimm“ ist eigentlich viel mehr eine Mischung aus Abenteuer und Fantasy statt eines Jugendbuches. Zwar ist Vesper eine Hauptfigur in dem Alter und es gibt selbstverständlich auch eine Teenieromanze, aber das ist alles mehr oder weniger Nebensache, denn der Plot selbst ist meines Erachtens nach sehr düster und fast schon hoffnungslos gehalten.
Deshalb hat mich wohl auch das Ende sehr enttäuscht. Es ist eine Mischung aus krampfhaftem Zuendebringen der Geschichte und traurigem Ausgang.
Natürlich kann ich nicht sagen, ob das nicht alles so vom Autor geplant war, aber ich denke, wenn er dem Ende etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet hätte, dann hätte es nicht so kommen müssen, wie es letztendlich gekommen ist.
Eine tolle Idee mit einem unschönen Ende, das mir das Buch ein wenig vermiest hat. Ansonsten aber eine abenteuerliche Geschichte ohne viele Verschnaufpausen. Mal ganz abgesehen von einigen bekannten Persönlichkeiten, egal ob real oder märchenhaft!

Robert McCammon – Swan Song Nach dem Ende der Welt

swanDie Welt kurz vor der Jahrtausendwende. Die Fronten zwischen Russland und Amerika haben sich weiter verhärtet. Europa ist ein enges Netz aus terroristischen Vereinigungen und die Wirtschaft liegt am Boden. Hunderttausende Obdachlose durchqueren die trostlosen Kontinente auf der Suche nach Arbeit und Nahrung. Als es zum apokalyptischen Showdown zwischen den beiden Supermächten Russland und Amerika kommt, wird alles vernichtet. Der nukleare Winter senkt sich über die Welt.
Unter den wenigen Überlebenden befindet sich eine Frau namens Sister Creep, die durch Zufall die Auslöschung Manhattens überlebt hat. Zusammen mit einem Schuhverkäufer namens Artie macht sie sich auf den langen und gefährlichen Weg nach Detroit, um Arties Frau zu finden. Durch Zufall findet sie einen scheinbar magischen Ring, der ihr ihren Verstand und ihre Hoffnung zurück gibt. Doch der Mann ohne Gesicht, das personifizierte Böse, begehrt den Ring und Sister muss fliehen, um ihm zu entkommen.
Der Junge Roland Croninger schließt sich dem kriegstraumatisierten Colones Macklin an, bei dem er endlich seinen schon lange in ihm schlummernden Wahnsinn ausleben kann.
Josh ist ein Wrestler und überlebt ebenfalls nur durch Zufall zusammen mit dem Mädchen Swan und seiner Mutter. Doch Swan ist nicht nur ein Mädchen, sie besitzt die Gabe, dem trostlosen Boden wieder Leben einzuhauchen und der Menschheit so eine neue Zukunft zu schaffen.
Doch überall lauern Gefahren, die nukleare Verseuchung ist nur eine davon. Denn nicht alle Überlebenden sind vertrauenswürdig…

Ich muss wirklich sagen: Der Roman hat mich vom Hocker gehauen und ich habe mir direkt den zweiten Teil hinterherbestellt. Tatsächlich erinnert der Roman sehr an Stephen Kings „The Stand“. Einige Szenen erinnern sehr aneinander, zum Beispiel die Tunnel Szene. Nichts desto trotz ist „Swans Song“ kein Abklatsch, sondern ein eigener, wunderbar gelungener, Roman, der mich einige Nächte gekostet hat.
Die handelnden Personen wirken auf mich sehr echt. Keiner von ihnen ist ohne Fehler, aber trotzdem ist recht klar, wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind.
Besonders Roland Croniger ist wie aus einem Horrorfilm entsprungen, sein recht plötzlicher Verlust der Realität ist richtig gruselig. Ebenso wie Colonel Macklin mit seinem „Schattensoldaten“ ist ein wunderbares Portrait zerstörter Psyche. Ich hoffe, dass man im nächsten Teil noch mehr von dem Mann ohne Gesicht erfährt.
Auch Swan, Josh und Sister, sowie ihre leider meist recht kurzfristigen Begleiter wirken wie die Menschen, mit denen wir es jeden Tag zu tun haben. Keiner von ihnen entwickelt plötzlich Survival Fähigkeiten oder was auch immer, sondern sie bleiben menschlich und machen Fehler.

McCammon hat es sich mit seinem Szenario nicht leicht gemacht. Ein nuklearer Winter entzieht den Protagonisten nahezu sämtliche Ressourcen. Bei einer Virus-, Zombie- oder göttlichen Apokalypse hat man den Vorteil, dass sämtliche Ressourchen noch reich vorhanden sind, hier müssen die Überlebenden täglich um eine Dose Sardienen kämpfen. Das Wasser ist verseucht und ein Großteil der Vorräte ist vernichtet. Das war mal richtig spannend!

Fazit: Wenn Ihnen eine gute Apokalypse gefällt, greifen Sie unbedingt zu!!! Der Roman ist fantastisch!!!!

Graham Masterton – Bleiche Knochen

knochenMit „Bleiche Knochen“ von Graham Masterton habe ich nun mein erstes Buch aus der Festa Crime Reihe gelesen. Ich hatte schon bedenken, dass es mich zu sehr langweilen könnte, da mich Krimis bisher nicht beeindrucken konnten, doch diese Geschichte war mehr ein kaltblütiger Thriller und ging mir definitiv unter die Haut.

Zu Beginn hatte ich leichte Startschwierigkeiten, was die unzähligen irischen Namen und Begriffe der „An Garda Síchoána“ (Nationalpolizei der Republik Irlands) und die doch sehr stumpfe Polizeiarbeit herbeigeführt haben, dennoch hinterließen auch die ersten Seiten einen solchen Eindruck, der es mir unmöglich machte nicht weiter zu lesen.

Für mich kam die große Wende bei Kapitel 8 und dem Erscheinen des Mörders, der skrupellos und völlig abgedreht war. Die Beschreibung seiner Taten gingen mir durch Mark und Bein ( 😉 ) und kann an Intensität mit jedem vergleichbarem Film mithalten.

Die Charaktere waren für mich bis dato nicht vollends ausgereift und hatten nicht sonderlich viel Wiedererkennungswert, abgesehen von der Hauptprotagonistin Katie Maguire und des Mörders und auch dem herausstechenden Pathologen Dr. Reidy, der ein bisschen schwarzen Humor mit in die Geschichte brachte.

Generell ist der Schreibstil für mich dem Genre angemessen und baut geschickt Spannung auf, um eine weitere Bombe platzen zu lassen und vor allem dem Ende ein Krönchen des Entsetzens aufzusetzen, aber er ist auch detailliert und somit an manchen Stellen etwas langatmiger.

Erstaunlicherweise finde ich das Cover wirklich, wirklich gut. Für mich zeigt es Hauptprotagonist Katie Maguire in einer tristen Momentaufnahme und spiegelt wunderbar die Atmosphäre des Buches wieder.

Und auch der Titel spiegelt den Inhalt des Buches so simpel und doch perfekt wieder.

Ich freue mich auf weitere Bände mit Katie Maguire.

Matt shaw – Perverse Schweine

schweineInhaltlich zur Story muss man glaube ich nicht als zu viel verraten. Der Info Text gepaart mit dem Cover dürfte schnell klar machen worum es hier geht. Ich kann meine Bewertung leider erst jetzt abgeben, da die Taschenbuch Ausgabe i.d.R. ja meist 2-4 Wochen nach der Kindle Version erscheint. (Was ich wirklich sehr schade finde)

Kommen wir zum Buch. Die Story beginnt eigentlich recht vielversprechend. Was noch zu beginn auf eine Blutige Story hoffen lässt, verfällt schnell in ein moralisches Dilemma. Was würden wir tun, oder auch nicht, um uns unsere Menschlichkeit zu erhalten ?!

Der Schreibstil ist gut und das Buch lässt sich schnell hintereinender weg lesen.
Die kurzen Kapitel sorgen dafür das man doch immer etwas mehr liest, als man eigentlich geplant hatte.

Die Story startet sehr spannend und lässt viel erhoffen. Allerdings hat man zum Ende hin eher das Gefühl das dem Autor kein passendes Ende einfallen wollte…… Ich fand den Ansatz (man hat es sich ja schon etwas in dieser Art und Weise gedacht) wirklich gut. Aber leider wurde die Story dann einfach „fallen“ gelassen.

Ich muss sagen das ich zwischen drei und vier Sternen schwankte. Letztendlich habe ich mich trotz des etwas einfallslosen Endes für vier entschieden. Ich habe schon weit aus schlechtere Bücher aus der Extrem Reihe gelesen 😉

Ich hoffe weitere Geschichten von matt Shaw lesen zu können. Für sein Erstlings Werk bei Festa auf jeden Fall ganz ok.

Koushan Takami – Battle Royale

battleKoshun Takami schickt den Leser in seinem Roman Battle Royale in einen wahren Alptraum. In einem Paralleluniversum bilden Japan, China und weitere Ostasiatische Staaten die Großrepublik Ostasien. Dort werden in regelmäßigen Abständen Schulklassen für ein Programm ausgewählt, in dem sie in ein abgelegenes Gebiet verschleppt werden und müssen sich gegenseitig umbringen bis nur noch eine/r übrig bleibt. Der grausame Grundplot ist westlichen Lesern spätestens seit der Tribute von Panem – Trilogie bekannt, Takamis Vision des schlimmsten „Spiels aller Zeiten“ erschien jedoch einige Jahre früher (damit dann auch genug des Vergleichs). Zu Beginn des Buches erwischt es also auch die Schulklasse von Shuya Nanahara und seinen 42 Klassenkameraden, die sich anfangs noch auf einer Klassenfahrt wähnen. Spätestens nachdem sie in einem unbekannten Klassenzimmer aufwachen und von dem zynischen Spielleiter in die Regeln des Spiels eingewiesen wurden, wird den Schülern nach und nach klar in welch schreckliche Situation sie geraten sind. Und schon kurz darauf gibt es die ersten Opfer. Das „Spiel“ nimmt schnell Fahrt auf…

Takami ist in seiner Beschreibung der schlimmen Tage auf der einsamen Insel sehr detailliert und explizit. Dies gilt unter anderem auch für die sehr genau beschriebenen Tode der einzelnen Schüler, die sicherlich nicht jeder Manns Sache sind, aber aufzeigen wie konsequent der Autor seine Idee umsetzt. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven verfolgt. Größtenteils begleitet man einen Hauptprotagonisten und seine beiden engsten Begleiter, dazu kommen eine Handvoll „wichtiger“ Nebencharaktere und einzelne Kapitel aus Sicht der übrigen Schüler. Dies, die schiere Anzahl der Schüler und die für den westlichen Leser fremdartigen Namen (Yuko, Yukata, Yumiko, Yukiko, etc.) machen es nicht gerade einfach den Überblick zu behalten, aber man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Takami ist dabei bemüht jedem Schüler einen individuellen Hintergrund zu verpassen und somit auch eine Erklärung für ihr jeweiliges Verhalten während des Spiels zu liefern. Dies steigert das Lesevergnügen, obwohl es nicht immer verschleiern kann, dass einige Charaktere sehr stereotyp bleiben und bei der rasanten Sterberate die genauere Betrachtung nicht immer mithalten kann.

Insgesamt liest sich Battle Royale sehr flüssig. Der Autor wählt ein angemessenes Tempo und das Buch hat trotz seiner Seitenanzahl (~ 600 Seiten) wenig bis keine echte Längen. Sprachlich liegt uns allerdings sicherlich kein Leckerbissen vor. Sprache, Schreibstil und Dialoge sind recht simpel, wer gehobene Literatur erwartet, dem mag dies eher platt vorkommen. Mich persönlich hat es weniger gestört und ich habe den Schreibstil als „zweckmäßig“ empfunden. Dazu sollte erwähnt werden, dass der Stil evtl. auch durch die Übersetzung aus dem Japanischen verliert.

Apropos Übersetzung: Der größte Kritikpunkt ist die Schlampigkeit, mit der das Buch in seiner deutschen Übersetzung abgedruckt wurde. Ich müsste lange zurückdenken, wann ich zuletzt ein Buch mit so vielen Rechtschreib- und Druckfehlern in die Hände bekommen habe. Es vergeht beinahe kein Kapitel ohne über eine fehlende Endung, ein falsches Pronomen oder ähnliches zu stolpern. Meine Rezession bezieht sich hierbei auf die 2012 veröffentlichte Ausgabe. Diese Präsentation ist dem Buch, bei aller Einfachheit der Sprache auf keinen Fall würdig. Meine Bewertung beeinflusst es nur marginal, da ich es schlecht dem Autor anrechnen kann. Wen solche Fehler allzu sehr stören, den kostet es hier ordentlich Nerven…

Alle anderen erwartet ein spannender Thriller, an den man sprachlich nicht allzu hohe Erwartungen richten darf. Belohnt wird man mit einer Geschichte die abwechselnd nachdenklich, traurig, romantisch und actionreich ist und in diesem Sinne gute Unterhaltung bietet. Takamis Vision des Spiels und seines totalitären Bürokratenstaates sind durchaus lesenswert. Aufgrund des grausamen Grundthemas und recht expliziter Beschreibung der Gewalt, sollte das Buch allerdings nicht in die Hand allzu junger oder zartbesaiteter Leser geraten.

Kim Newman – Die Vampire

Okay, wir haben es hier mit einem völlig anderen Geschichtsverlauf Europas vom Ende vampire.jpgdes 19. bis Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts zu tun, was wirklich erfrischend hätte sein können, wenn nicht die Glaubwürdigkeit fehlen würde. Wie wahrscheinlich ist es denn, wenn sich parasitäre Blutsauger mit instabiler Psyche und Physis durch Europa morden, und es findet nicht nur keiner was dabei, sondern die meisten Menschen können sich auch nichts Schöneres vorstellen, als sich ebenfalls zum Vampir zu wandeln…

Na gut, vermutlich fehlt es mir einfach an der nötigen Phantasie. Was aber auch daran liegen könnte, dass keine wirkliche Atmosphäre im Buch aufkommen will und die Charaktere irgendwie nichtssagend und blass bleiben.

Und mal ehrlich – wo ist der rote Faden, was ist denn die eigentliche Story, um die es hier geht? Über 1.200 Seiten und ich bin absolut nicht schlau draus geworden sondern habe mich die halbe Zeit über gelangweilt, weil absolut nichts passiert ist und der Autor dutzende von Charakteren eingeführt hat, die kurz darauf wieder im Nirvana verschwunden sind, dahin gemetzelt wurden, oder von vorn herein für die Geschichte keine Rolle gespielt haben.

Als Newman dann noch Bond samt einiger bekannter Gegenspieler (Bösewicht mit weißer Katze, Mann mit Stahlzähnen) in seinem Roman verbrezelt hat, war bei mir der Ofen ehrlich gesagt aus.

Fazit: Nicht kurzweilig, nicht spannend, nicht logisch geschweige denn glaubwürdig und unnötig lang, also nicht gerade empfehlenswert…

Jesus F. Gonzalez – Snuff Killers

killersAls das Anwaltspaar Lisa und Brad sich für ein romantisches Wochenende in einen nahegelegenen Ort aufmacht, ahnen beide noch nicht, dass der Trip in einer Katastrophe enden wird, denn Brad wird auf einmal verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, im Straßenverkehr Menschenleben gefährdet zu haben, und deshalb wird er verhaftet. Aufgrund der Zeugenaussage eines gewissen Caleb Smith. Der war ihnen zuvor schon aufgefallen, denn die beiden fühlten sich bereits im Vorfeld bedrängt. Doch Brad muss erst beweisen, dass er unschuldig ist, und da es erst Montag der nächsten Woche zu einer Beurteilung durch einen Anwalt kommen kann, wird Brad in Gewahrsam genommen. Lisa sucht sich unterdessen ein Motel und wird prompt aus diesem entführt. Denn Lisa soll die Hauptattraktion in einem Snuff Film spielen, denn einige Leute haben viel Geld bezahlt, damit dieser Film mit Lisa gedreht werden kann. Und die Entführer sind Profis in diesem Geschäft, und ihr Ziel ist es vor laufender Kamera Lisa zu vergewaltigen und zu töten. Doch dann macht Lisa etwas, was ihr das Martyrium ersparen soll…

Um eines Vorwegzunehmen – das Buch ist nichts für schwache Gemüter. Hier wird gnadenlos in die tiefsten Abgründe des menschlichen Verstandens geblickt und während des Lesen kommt immer wieder die Frage auf, ob es so etwas tatsächlich geben könnte.Wie heißt es so schön: Es gibt nichts, was es nicht gibt und wenn man sich vor Augen führt, welche Gräueltaten der Mensch im Laufe seiner Geschichte bereits auf seinem Konto zu verbuchen hat, muss ich ehrlich gestehen, halte ich die Existenz der Filme, um die es hier geht, für durchaus wahrscheinlich.

Snuff Killers“ beschäftigt sich mit einem verstörenden Phänomen und legt sich mit den tiefsten Abgründen des Menschen an. Denn dieses Buch stellt Snuff Filme in den Vordergrund. Bei Snuff Filmen werden Menschen vor laufender Kamera zu Tode gequält, was zur Erheiterung des Publikums dient.

Diese Filme gehören in die moderne Sagenwelt. Bisher wurde seitens der Behörden kein einziger nachgewiesen, auch wenn es unzählige Gerüchte gibt.