Adam Nevill – Der letzte Tag

Die Independant-Filmemacher Kyle und Dan können mehr schlecht als recht von ihrem Beruf leben, über die Runden kommen sie quasi nur, indem sie verhasste Hochzeits- oder Geburtstagsaufträge annehmen. Plötzlich tritt Maximilian Solomon in ihr Leben und möchte, dass sie einen hochbezahlten Job übernehmen. Der Hintergrund verspricht spannend zu sein und das Geld lockt, so sehen die beiden auch gerne über die seltsamen Drehbedingungen hinweg und nehmen den Job an. Sie ahnen nicht in welche Gefahr sie sich dadurch begeben und alle die dieses Wespennetz aufscheuchen bezahlen dafür mit ihrem Leben.

Als ich das erste Mal von diesem Buch hörte ging mir sofort eine gruselige Geistergeschichte durch den Kopf, welche ich in der Regel sehr gerne lese. Leider hat mich bei diesem Buch dann etwas anderes erwartet.

Zuerst zum Schreibstil. Nevill schreibt sehr beschreibend, teilweise blumig, trifft mit seinen Vergleichen aber für mich nicht ins Schwarze. Seine Beschreibungen hinterließen oft ein großes Fragezeichen in meinem Kopf anstatt ein detailliertes Bild zu entwerfen. Zudem hat er es in meinen Augen nicht geschafft eine emotionale Ebene zu den Charakteren aufzubauen, so dass sich der Leser ständig seines Lesens bewusst ist und nicht mit der Geschichte verschmilzt. Man bleibt eben die ganze Zeit unbeteiligter Beobachter und fühlt sich auch so.

Seine Charaktere, allen voran die beiden Protagonisten Kyle und Dan, baut Nevill sehr sachlich auf. Plötzlich auftretende Gefühls- bzw. Angstausbrüche werden schnell wieder durch nüchterne Denkweisen ersetzt. Man erfährt kaum etwas von der Vorgeschichte aller Beteiligter, ausgenommen es hat etwas mit dem aktuellen Filmprojekt zu tun. Für mein Empfinden ist es daher schwierig Sympathie oder auch Antipathie zu diesen Charakteren aufzubauen, sie sind einem einfach irgendwo egal.

Die Geschichte an sich dümpelt ziemlich lange vor sich hin und verliert sich in langweiliger Filmarbeit. Unzählige Male werden Themen wie Beleuchtung, Schnitt, Perspektive etc. diskutiert und so vergeht Seite um Seite. Das bedeutet aber nicht, dass nicht ziemlich schnell spannende, gruselige Dinge passieren. Dies ist der Fall, jedoch gehen diese guten Momente in der Nüchternheit des Buches unter. Etwa nach der Hälfte des Buches wurde das Geschehen besser, spannender, realistischer. Man nahm den Charakteren die Gefühlsregungen ab und ich als Leser atmete erleichtert auf, da ich mir nun doch noch eine spannende zweite Hälfte erhoffte. Nevill schaffte es jedoch nicht den Lichtschimmer aufrecht zu erhalten und verlor sich schon bald wieder in nüchterner Sachlichkeit und Filmarbeit. Das, was den Protagonisten in diesem Buch passiert, müsste in meinen Augen einfach sehr viel drastischere Auswirkungen auf die Charaktere haben und deren Handeln stärker beeinflussen. Angst ist ein sehr starkes Gefühl und gepaart mit dem Überlebenswillen eine immense Antriebsfeder, ob nun zur Flucht oder zum Angriff ist eine andere Sache.

Nevill hat dieses Buch ähnlich den Filmen „Blair Witch Project“ oder „Paranormal Activity“ aufgezogen. Sollte man als Leser diese Filme mögen und sich sowas auch gut niedergeschrieben vorstellen können, so könnte „Der letzte Tag“ ein interessantes Buch darstellen. Ich fand sowohl diese Filme als auch dieses Buch größtenteils langweilig und habe mich durch die fast 600 Seiten hindurchgequält.

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