Ben Tripp – Infektion

Mit Ben Tripps Werk „Infektion“ halte ich einen Impulsivkauf in den Händen. Der Klappentext verspricht Weltuntergang und Dystopie – dazu eine stattliche Länge von über 600 Seiten. Reichlich Platz, um eine Geschichte ordentlich zu erzählen, so hoffte ich. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Forest Peak ist eine typische Klischee-Kleinstadt, wie sie zahlreichen Romanen zur Vorlage dient. Die Protagonistin (Achtung, Alpha-Weibchen!) Danielle „Danni“ Adelman bekleidet in diesem Städtchen nach ihrer Rückkehr aus dem Irak-Krieg den Posten des Sheriffs. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Nicht nur das Verschwinden ihrer labilen Schwester beutelt Danni: Das Auftreten einer mysteriösen (und tödlichen) Krankheit versetzt die Umgebung in einen Ausnahmezustand. Achja, und später gibt’s dann auch noch Zombies.

Das alles verrät mehr oder weniger schon der Klappentext und ich erzähle das so salopp, weil der Handlungsbogen bis dahin wirklich keinen Meilenstein dastellt. Und so bleibt es auch: Einen Kreativpreis gibt es für die Storyentwicklung sicher nicht. Ganz im Gegenteil: Die Ploteckpunkte, die Orte, selbst die Charakteristika der Untoten selbst und viele Details (Wohnmobil!) kommen fast 1:1 so in David Moodys „Herbst“-Reihe vor. Stören tut mich das nur deshalb nicht weiter, weil es hier gar nicht so sehr auf die pfiffige Story ankommt – sie dient mehr als solider Rahmen für das Erzeugen von Spannung und Action.

Reichlich Konflikte, Kämpfe, Explosionen und Blut: Die Geschwindigkeit bleibt hoch. Da stört es letztendlich nicht, dass die Anzahl an Überraschungen niedrig bleibt. Es geht mehr um das Mitfiebern. Auf den 600 Seiten werden die Charaktere ausreichend eingeführt. Man kommt dabei zwar nicht ganz ohne die üblichen Stereotypen („toughes Weibchen“, „Schmierig-brutaler Antagonist“ etc.) aus, aber am Ende liegt einem das Grüppchen doch ein bißchen am Herzen und zumindest das Schicksal der Schlüsselcharaktere ist einem nicht egal.

Das Erzähltempo ist günstig und die Kapitel greifen gut ineinander über, einzig der Seitenstrang um Dannis verlorene Schwester wirkt ein bißchen überflüssig.

Unter dem Strich haben wir hier einen kurzweiligen, wenn auch nicht außergewöhnlichen Zombieroman. Auf der „Pro“-Seite stehen die stattliche Länge, das ausreichend sympathische Charakterset, der flüssige Schreibstil und die actionreiche Handlung. Negativ zu Buche schlagen die überraschungsarme, gewöhnliche Story, gelegentliche Momente, die arg übertrieben und konstruiert wirken und allgemein der Mangel von besonderen Aspekten. Für mich hängt das Buch damit zwischen 3 und 4 Sternen, ich gebe am Ende 4, weil ich in der Nische „Zombie-Apokalypse“ viel, viel mittelmäßigere Wahre gelesen habe, und dann ein so langer, solider Roman erfrischend daher kommt.

Man kann das Buch letztendlich mit David Moodys „Herbst“-Reihe vergleichen. Nur passiert hier eindeutig mehr, alleine schon wegen der Länge werden die Details der Geschichte etwas besser herausgearbeitet. Dafür fehlt ein bißchen die psychologisch-beklemmende Komponente, auf die Moody so viel Wert gelegt hat. Ob diese Umverteilung der Aspekte nun von Vorteil oder Nachteil ist, kann ja jeder für sich entscheiden. Fans von postapokalyptischer Belletristik (mit Zombies!) können aber ohnehin einen Blick riskieren.

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