F. Paul Wilson – Mitternachtsmesse

Ein Vampirroman der ganz andern Art. Definitiv kann man alle erotischen und liebevollen Vorstellungen bezüglich Vampire hier vergessen. Brutal, stinkend unzivilisiert und mit einer Rangordnung und verschiedenen Variationen (fliegend, verwildert, „normal“) schildert F. Paul Wilson ein Endzeitdszenario, dass man sich durchaus gut vorstellen kann. Allerdings konnte mich dieser Roman nicht wirklich fesseln, denn irgendwie waren mir dann doch zuviele positive Zufälle dabei. Man merkt dem Roman an, dass der Autor die drei Hauptprotagonisten Joe, seine Nichte und die Nonne bis zum Schluss erhalten will. Wie durch ein Wunder überleben sie immer wieder brenzlige Situationen während andere wie die Fliegen sterben. Die Grundidee fand ich super und auch die ursprüngliche Art der Vampire haben mir sehr gut gefallen, es war mal etwas anderes als diese ganzen TeenieVampire die unsere Medien überschwemmen. Auch könnte ich mir dieses Werk gut verfilmt vorstellen. Der Autor hat durchaus das Talent einen Film im Kopf zu erzeugen auch wenn es beim Lesen etwas langatmig war. Viele Handlungsorte gab es nicht, da sich die Haupthandlung rund um die Kirche abspielt und bis auf eins zwei kleine Ausflüge bleibt der Leser samt den Figuren an einem Ort gefangen. Dies führte bei mir ein wenig zu Desinteresse und so zog sich für mich das Buch ein wenig in die Länge. Dennoch war es interessant mal Vampire aus einer anderen Sicht zu sehen, aber um mich wirklich an sich zu binden fehlte mir ein guter Spannungsbogen. Die Handlung plätscherte vor sich hin und wurde mit der Zeit ziemlich vorhersehbar. Dennoch ist es ein guter Roman der durchaus eine interessante Sicht auf die Untoten bietet.

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Jan Oldenburg – Fantastik AG

Ein uralter Dozent, ein luschiger Dauerstudent im 37. Semester des Fachs Fantastik und ein Hörsaal, der tief in den Eingeweiden der Uni verborgen ist, bilden den Ausgang dieser sehr vergnüglichen Geschichte, die zahlreiche amüsante Parallelen zu „unserer“ Welt aufweist.

Die Sparpolitik zwingt die Hochschulleitung dazu, den Studiengang Fantastik zu schliessen.
Als der Professor sein Postfach in der Uni nun endgültig leeren muss, fällt aus den Unterlagen ein Blatt Papier auf den Boden – eine handgezeichnete Karte der Fernen Länder. Jenes Gebietes also, dass im Studienfach Fantastik neben angewandter Magie eines der hauptsächlichen Lehrinhalte bildet.
Doch leider ist alles nur theoretischer Natur, da eigentlich keine neuzeitlichen Augenzeugenberichte mehr den Lehrstoff untermauern können.
Die Fantastik ist ein totes Studienfach, oder nicht?

Der Besitz der Karte und vor allem die Abweichungen selbiger vom Original, bringen den Professor auf eine Idee – er bereitet eine Expedition in die Fernen Länder vor. Nicht zuletzt, um deren Existenz zu beweisen und somit den Studiengang am Leben zu erhalten.
Theodor, der ewige Student, soll ihn begleiten. Es gibt ja auch sonst niemanden. So brechen sie denn auf und erst einmal in die Uni ein, denn der Zugang zu den Fernen Ländern befindet sich – dem Professors zu Folge – im Hörsaal 043a.

Ein entrückter Held mit Hang zum Selbstmord aus Verkennung der Situation, eine listige alte Zyklopen-Omi mit Kultstatus, ein geschrumpfter Riese, der weiterhin mit der Zerstörung ganzer Städte und Landstriche droht, obwohl er kaum mehr einen Meter groß ist und viele weitere Figuren wie Elfen, Nymphen, Zwerge und Feen bevölkern die Fernen Länder.
Aber etwas läuft ganz und gar falsch hier, denn längst sind die Fernen Länder in der Hand eines totalitären Systems – der Fantastik AG, die ein großes, geheimes Ziel verfolgt und dabei mit Merchandising und aggressivem Marketing arbeitet.
Es kommt, wie es kommen muss – der Professor und sein ewiger Student müssen die Welt retten.

Jan Oldenburgs „Fanstastik AG“ habe ich in Nullkommanix ausgelesen. Die Helden sind liebenswert, die Dialoge witzig und die Parallelen zu realen Aspekten, Systemen, Geschäftsgebahren großer Konzerne, Mitmenschen und Fernsehsendungen würzen das ganze augenzwinkernd ab. Da gibt es Akademiker, die nach ihrem Studium keinen Beruf finden und eine Imbiss-Bude am Bahnhof eröffnen müssen, oder auch Mitläufer, die so ans System angepasst sind, dass sie sich sogar ihre spitzen Elfenohren kupieren lassen.
Jeder kennt doch mindestens einen Berufsdauerlächler mit inhaltlich unverbindlichen Aussagen aus seinem eigenen Umfeld, oder?
Selbst die hirnverdampfenden TV-Serien haben es bis in die Fernen Länder geschafft mit Sendungen wie etwa der Talent-Casting-Show „Wähl den Superwichtel“ oder schlimmerem.

Trotz der witzigen Ideen und Schauplätze hat das Buch in der zweiten Hälfte auch deutliche Längen und die Handlung verliert etwas an Tempo und Übersichtlichkeit.

Der Cliffhanger am Ende (gemeiner wie genialer Einfall) lässt dennoch auf eine baldige Fortsetzung hoffen.

Richard Laymon – Die Insel

Nach der Explosion einer Yacht finden sich ein paar Urlauber als Gefangene auf einer Insel wieder. Bald mal passieren alarmierende Dinge und es stellt sich heraus, dass die Explosion kein Unfall war. Erzähler ist ein 18jähriger, der die Geschhnisse in Tagebuchform aufzeichnet.
Hörte sich für mich recht interessant an und war das auch, allerdings mit ein paar Schwächen.

1) Die ständigen Wiederholungen der sexuellen Phantasien des 18jährigen Erzählers werden bald mal langweilig.
2) Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben, was vor allem im späteren Verlauf die Erzählung ein wenig schwer glaubhaft macht. Wer nimmt sich die Zeit, in einem Tagebuch auf die schon 100mal erwähnten körperlichen Vorzüge einer Frau hinzuweisen, wenn gerade alarmierende Dinge passiert sind?
3) Einige der Handlungen der Personen sind schwachsinnig. Leser machen sich schnell ein Bild von Buchcharakteren, und wenn die nicht ständig am oberen Rand ihrer Leistungsfähigkeit agieren, werden sie unglaubwürdig. Ich hoffe, ich verrate damit nicht zuviel, aber als Beispiel möchte ich anführen, dass ein halbwegs intelligenter Mensch, der sich an zwei gefährliche schlafende Personen anschleicht, NIEMALS im Raum bleiben würde, wenn eine der beiden aufwacht und den Typen auffordert, näherzukommen. Speziell dann, wenn er das, was er haben will, schon hat.

Als positiv hab ich wiederum den flüssigen Schreibstil empfunden. Ich war bald mal durch mit dem Ding. Die Geschichte hat mich zumindest soweit gefesselt, dass ich das Buch nicht weggelegt habe.

Drei Sterne, weil’s mir im Großen und Ganzen doch Lesevergnügen bereitet hat. Wer aber die Beschreibung sexueller Gewalt selbst in Romanform inakzeptabel findet oder eine Abenteuer-Kriminalgeschichte nicht laufend von den feuchten Phantasien eines 18jährigen unterbrochen haben möchte sowie unsinniges Verhalten von Romanfiguren nicht akzeptiert, wird mit diesem Buch keinen Spaß haben.