Tim Curran – Nightcrawlers

Es ist Nacht und es regnet in Strömen. Die Arbeitsbedingungen auf dem Gelände der alten Ezren Farm waren verdammt ungemütlich. Bisher hatte das Team um Lou Kenney 8 Skelette gefunden und es werden immer mehr. Was ist hier passiert? Wieso lagen die Überreste in diesem Brachland? ‚ Plötzlich verschwindet einer der Polizisten. Kenney beschließt umgehend einen Suchtrupp zusammenzustellen und sich auf den Weg zu Ihrem verschollenen Kameraden zu machen. Was er und sein Team in dieser Nacht zu Tage fördert, hätte er lieber nicht gesehen.

Tim Curran hat mit dieser Geschichte so ziemlich alles richtig gemacht. Sie ist von Beginn an spannend und der Leser kommt kaum zum Luftholen. Es ist ein blutiger, actionreicher und lebensbedrohlicher Horror.

Curran lässt zu Beginn der Geschichte nichts anbrennen und nach einer kleinen Einleitung zu dem aktuellen Stand auf den Feldern der Ezren-Farm, wird direkt zu den ersten Vorfällen umgeschwenkt, bei denen der Leser seine Fantasie freien Lauf lassen kann und der Horror beginnt. Der erste Polizist verschwindet und die Suchmannschaft wird losgeschickt. An dieser Stelle schnellt die Spannung nach oben. Es ist wirklich beeindruckend wie schnell alles geht. Der Wechsel zwischen den Beteiligten während der Erzählung nimmt den Ereignissen zwar etwas Geschwindigkeit, doch keineswegs etwas vom Horror. Es ist beklemmend, brutal und beängstigend.

Nach diesen Geschehnissen wird es etwas ruhiger in der Geschichte und die Spannung entspannt sich auf physische Ebene etwas, allerdings werden langsam die Hintergründe zu den Ereignissen gelüftet, ganz langsam bekommt der Leser einen Einblick, allerdings wird nicht alles vollständig erklärt. Der Leser darf noch etwas mit seiner Fantasie spielen.
Nach der Hälfte überschlagen sich dann die Ereignisse. Es wird zu einem Actionfeuerwerk. Es ist erdrückend. Es ist dunkel. Sie sind überall. Sechs Leute gehen rein. Wie viele kommen raus? Das muss dann wohl der gewillte Leser selbst herausfinden.

Nightcrawlers ist eine wirklich gute Erzählung. Die Atmosphäre ist düster und beklemmend, so wie man es erwartet und wie es wirklich ‚Spaß‘ macht. Sie ist spannend, schnell, tödlich, brutal, mysteriös, alt und böse, aber auch überraschend, denn nicht immer ist alles so wie man es sich denkt. Curran hat alles richtig gemacht.

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Bryan Smith – Verkommen

Als Jessica ihren Vergewaltiger Hoke in einem verlassenen Waldstück hinrichten will erscheint plötzlich eine Gruppe degenerierter Hinterwäldler. Sie verschleppen Hoke und jagen Jessica, die sich den mordlüsternen Gestalten entziehen kann. Was Jessica nicht weiß, ist, dass die Einwohner von Hopkins Bend eine verschworene Gemeinschaft sind und die inzestuösen Bewohner suchen dringend nach Frischfleisch für den großen Festtagsschmaus. Das müssen auch Megan Phillips und ihr Freund Pete Miller feststellen, als sie an einem Rastplatz nahe Hopkins Bend halt machen. Pete gerät in die Fänge der pervers veranlagten Familie Preston und wird auf dem Anwesen der Sippe in einen Zwinger gesperrt, in dem bereits ein Opfer der Prestons auf den großen Festtagsschmaus wartet. Megan gelingt zunächst die Flucht, die jäh endet, als Deputy Hal sie aufgreift. Doch das Gesetz in Hopkins Bend ist alles andere als ein Freund und Helfer. Auch für Megan beginnt ein Alptaum von beispielloser Grausamkeit. Währenddessen macht Hoke die Bekanntschaft mit dem sinistren Garner, der von sich behauptet die Kinchers, eine rückständige Familie von schrecklichem Aussehen, verflucht zu haben. Und dann ist da noch Abby Maynard, eine junge Frau, die von ihrer Familie verachtet wird, weil sie als einzige noch keine Kinder bekommen hat. Stoisch erträgt sie die Demütigungen ihrer Mutter und ihrer Schwester, bis sie eines Tages den Entschluss fast zu fliehen. Helfen soll ihr ausgerechnet die Beute, die für den großen Festtagsschmaus herhalten soll.

Auf gut 380 Seiten entfesselt der Autor Bryan Smith einen Alptraum von beklemmender Intensität. Sex, Gewalt und Tod sind die Eckpfeiler der Geschichte, zwischen denen sich die Protagonisten bewegen. Insgesamt fünf Handlungsstränge müssen parallel verfolgt werden, was jedoch kein Problem ist, denn Smith hat die Figuren sehr lebendig charakterisiert. Dabei wird jeder Protagonist mit einer anderen schrecklichen Facette von Hopkins Bend konfrontiert. Doch wo andere Autoren andeuten und wegblenden, hält Bryan Smith gnadenlos drauf. Alles was passiert wird detailliert beschrieben und wer allzu zart besaitet ist, sollte die Finger von dem Buch lassen. Häufig werden Bücher und DVDs aus werbetechnischen Gründen mit ausdrücklichen Warnungen versehen, in diesem Fall wäre ein solcher Button absolut gerechtfertigt, denn die Lektüre dieses Romans ist erst ab 18 Jahren empfehlenswert. Smith bedient sich darüber hinaus eines minimalistischen Schreibstils, bei dem er sich nicht allzu lange mit Nebensächlichkeiten und Landschaftsbeschreibungen aufhält. Der Autor kommt schnell zur Sache und fährt große Geschütze auf, um den Leser zu schocken. Bryan Smith schreibt so rasant und kurzweilig wie Richard Laymon, inklusive dessen Vorliebe für derben Sex. Die Figuren aus ‚Verkommen‘ sind gewöhnliche Menschen, die aus heiterem Himmel in extreme Situationen geraten und Smith zeigt dem Leser, was solche Erfahrungen aus einem Menschen machen können. Der Roman ist darüber hinaus gespickt mit überraschenden Wendungen und knallharter Action, ausgestattet mit einem Finale, an dem Quentin Tarantino seine helle Freude haben würde. Mit „Verkommen“ bekommt der Leser einen Horror-Trip der Superlative serviert, der in keiner ernstzunehmenden Horror-Sammlung fehlen sollte.