Christoph Marzi – Lycidas

In „Lycidas“ entführt uns Christoph Marzi in die fantastische Welt von London. Emily Laing wächst in einem Waisenhaus auf und bis zu dem Tag, an dem eine Ratte sie anspricht und sie so in eine abenteuerliche Geschichte hineinzieht. Nach der Flucht aus dem Waisenhaus wird sie von Mortimer Wittgenstein, einem mürrischen Alchemisten, aufgenommen und erfährt nach und nach von der Uralten Metropole, dem London unter dem normalen London. Sie lernt Gestalten wie Tunnelstreicher, Rabenmenschen, Werwölfe und andere kennen. Schließlich erfährt sie, dass sie eine Trickster ist, eine Halbelfe mit besonderen Talenten. Dieses Wissen lässt sie jedoch zum Spielball der Mächte werden, den nicht nur das Haus Manderley, aus dem Emily stammt, kämpft um die Vormacht. Auch der geheimnisvolle Lycidas, das Haus Mushroom und der Nyx wollen Emily für ihre Zwecke nutzen bzw. aus dem Weg räumen. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Aurora, Wittgenstein und einem Elf, macht sich Emily auf ihre Schwester aus den Fängen der Bösen zu retten……
Atemberaubend, wie der Autor Mythen und Überlieferungen aus allen möglichen Kulturkreisen aufgreift und zusammenrührt. Luzifer selbst und Adams erste Frau Lilith geben sich ein Stelldichein, ebenso wie Dante, John Milton, John Dee, Anubis, Rabbi Löw und der Golem, Admiral Nelson und die Tauben vom Trafalgar Square, der Rattenfänger von Hameln, und auch Anspielungen auf „Oliver Twist“, „Dorian Grey“ und „Schneewittchen“ bleiben nicht aus – und alles hängt irgendwie miteinander zusammen. Also zunächst einmal eine grandiose Mythenrevue.
Die Wahl von Emilys Mentor Wittgenstein als Ich-Erzähler ist ziemlich unglücklich, da dieser einen großen Teil von Emilys Abenteuern gar nicht selber miterlebt. Dass er trotzdem immer bis ins Innerste hinein weiß, was Emily erlebt und empfindet wirkt, gelinde gesagt merkwürdig. Dass über ein umfängliches Wissen über die Intrige, in die Emily verwickelt ist, verfügt, aber immer nur dann damit herausrückt, wenn es dem Autor gerade dramaturgisch in den Kram passt, ist schon eher ärgerlich. Überhaupt weist der Autor eine gewisse Neigung dazu auf, immer wenn er sich in einen erzählerischen Engpass hineingeschrieben hat, irgendjemanden auftauchen zu lassen, der bereits gewonnene Erkenntnisstände mit neuen Informationen wieder verwirrt. Das verkompliziert das Ganze zusätzlich. Wohlgemerkt: es gibt eine große Linie, einen roten Faden, aber es fällt manchmal schwer, diesem zu folgen.
Trotz allem kann ich diesem wunderbaren Meisterwerk von Christoph Marzi einfach nicht weniger als 5 Sterne geben… dies hat einen einfachen Grund Die Geschichte um die Uralte Metropole war das allererste Buch dass ich mir vor Jahren selbst gekauft habe… ich verbinde viele wunderschöne Erinnerungen mit dieser Buchreihe… ich habe geweint wie ein Schlosshund… denn immer wieder wurde ich an den Weihnachtsabend erinnert als ich von meiner letztes Jahr verstorbenen Mama den den meiner Meinung nach schönsten Teil der Reihe „Lycidas“ geschenkt bekommen habe… und aus diesem Grund werde ich zu diesem Buch keine direkte Bewertung abgeben… ich habe ehrlich gesagt in einer Tour heulen müssen als ich das Buch gelesen habe… aufgrund der berührenden Geschichte und eben dass ich die Geschichte mit dem wohl traurigsten Erlebnis meines Lebens immer wieder in Verbindung setze… Nichtsdestotrotz ein wunderschönes Märchen wie ich finde, dass jeder einmal gelesen haben sollte…
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Ein Gedanke zu „Christoph Marzi – Lycidas

  1. Das Buch liegt auch noch auf meinem SuB, aber bisher bin ich noch nie dazu gekommen. Deine Meinung zu dem Buch berührt mich sehr und ich finde es sehr schön, das du somit keine direkte Bewertung abgibst.

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