Jack Ketchum – Die Schwestern

„Die Schwestern“ spielt kurz nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg. Der abgehalfterte Journalist Marion T. Bell reist auf der Suche nach einer guten Story durch das staubige Arizona und reitet eine Weile zusammen mit dem Revolverhelden John Charles Har und dem raubeinigen Mother Knuckles durch die Wüste.

Eines Tages stolpert die zu Tode erschöpfte und mit sichtbaren Spuren von Misshandlungen bedeckte Elena zwischen ihre Pferde. Die drei Männer nehmen sich der jungen Frau an und peppeln sie ein wenig auf, während sie ihre Geschichte erfahren, die es in sich hat, denn sie berichtet von der brutalen Entführung in ein Sklavenlager jenseits des Flusses, dem Missbrauch durch zahllose Männer und von der grausamen Herrschaft der Valenzura-Schwestern, die auch 300 Jahre nach dem Untergang des Aztekenreiches noch immer deren alte, blutige Götter verehren und die grausamen Riten durchführen.

Auch wenn die hartgesottenen Kerle schaudern, so sind sie doch nicht mehr dazu bereit, die junge Frau aus den Augen zu lassen. Denn Elena scheint unerschrockener als sie, will sie doch wieder an den Ort ihrer Qual zurück, um auch ihre Schwester Celine zu retten…

Jack Ketchum entwirft in seinem gewohnt brillanten Schreibstil eine Westernwelt im Arizona der 1848er Jahre. Seine Helden sind scharfzüngige, raubeinige und knallharte Typen und die Atmosphäre lässt einen das Feeling dieser Zeit spüren. Die Geschichte wird aus der Sicht des Ich-Erzählers Marion T. Bell erzählt, der durch seine Gedanken und Gefühlsäußerungen zur Spannung enorm beiträgt. Wer jetzt meint, dass Ketchum nicht in der Lage sei, einen schießwütigen Western zu schreiben, der irrt. Die Dialoge sind cool und es wird geschossen, was die Gewehre hergeben – ein typischer Western eben. Hinzu kommt die typische Portion Gesellschaftskritik, denn Ketchum zeigt, was passieren kann, wenn rachsüchtige und gewalttätige Menschen sich ihre eigene Subgesellschaft aufbauen.

Die Ketchum-Anhänger werden ebenso erfreut sein wie Neueinsteiger, denn der Autor geht mit seinen Charakteren gewohnt gemein um. Stellenweise müssen die Personen grausamere Folter erleiden, als in seinem kannibalischen Kleinod „Beutezeit“ – wer es gelesen hat, weiß, was Ketchum seinen Protagonisten anzutun vermag.

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