Bret Easton Elles – American Psycho


Der Zugang zu American Psycho ist mir nicht eben leicht gefallen, zumal das Buch ausschließlich von Menschen bevölkert wird, die ich im Prinzip nicht ertrage, nämlich solche, die sich über ihre Kleidung, ihren Besitz und ihre goldene AM-Ex-Karte definieren, die viel reden, aber nichts zu sagen haben.

Die ersten 200 Seiten handeln nahezu ausschließlich in teuren Nobelrestaurants und Edel-Clubs, was mitunter außerordentlich ermüdend ist, da der Erzähler immer wieder auf das genaueste beschreibt, was seine Freunde anhaben. „Price trägt einen Leinenazug von Canali Milano, ein Baumwollhemd, eine gepunktete Krawatte ….“ und so weiter und so fort. Die detailiierte Beschreibung der Klamotten kann sich dann durchaus über mehrere Seiten hinziehen. Die Gespräche der Romanfiguren drehen sich meist um den richtigen Sitz einer Krawattennadel, um Klatsch und Tratsch aus der Broker-Szene und die neuesten Nachrichten von Donald Trump. Frauen werden auf „Hardbodys“ reduziert und sind eigentlich nur zum Sex zu gebrauchen. Ich habe dann durchaus diese ermüdenden Stellen übersprungen. Ab Seite 200 schleicht sich dann leichtes Unbehagen ein, wenn der Erzähler ganz beiläufig anmerkt, das er gestern den Hund zu Tode gequält hat, den er letzte Woche in einem Zoo-Geschäft gekauft wird. Beim lesen wird einem zunehmend mulmiger und das Buch fängt an, wirklich interessant zu werden. Dann der erste Mord an einem Penner, den der Erzähler nach einem guten Essen in einem Nobelrestaurant zunächst einmal beide Augen aussticht.

„American Psycho“, das ist die Geschichte von Patrick Bateman: 27, Angestellter an der Wall Street, steinreich, intelligent und natürlich gut aussehend. Pat hat einen undefinierbaren Job, bei dem er an einem Designerschreibtisch sitzt und seine Sekretärin rumkommandiert. Doch dieser Job ist längst nicht sein Lebensmittelpunkt. Viel wichtiger ist es, abends mit Arbeitskollegen und schicken Begleitungen in angesagten Restaurants zu sitzen, einen gestählten Körper zu haben und die morgendliche Talk Show nicht zu verpassen. Bald wird klar, dass Pat Batemans Leben eine furchtbar öde Routine ist, die den Protagonisten gleichzeitig unter ständigen Leistungsdruck setzt. Denn an der Wall Street zählen nichts als Statussymbole. „In“ sein ist alles. Verpasst zu haben, dass dieses oder jenes Restaurant mittlerweile out ist, ist ein unverzeihlicher Fauxpas. Einen Fehler im Dresscode zu machen, ist ebenso katastrophal. Immer |up to date| sein, was Mode und Trends angeht, wird für Pat zur Lebensaufgabe.

Doch Bateman bricht auf ganz eigene Art aus diesem Trott aus. Der aalglatte und perfekte Yuppie mutiert nachts zum total durchgeknallten Serienkiller, der Frauen, die er „Girls“ nennt, scharenweise auf brutalste Weise umbringt. Und das ist gerade der Knackpunkt des Romans. Während sich der Leser damit abgefunden hat, dass es sich bei „American Psycho“ um ein Buch bar jeder Handlung handelt, fällt plötzlich Batemans kranke Psyche wie ein Orkan über die bisher so geradlinige und vorausschaubare Erzählung her. Er lädt sich Nutten ein, er verführt Dates und sein Charme und sein Geld wiegen sie alle in falscher Sicherheit. Bis er anfängt, sie tagelang zu foltern und zu quälen. Und nicht nur die Frauen müssen Höllenqualen ausstehen. Auch der Leser wird nicht geschont, denn Ich-Erzähler Bateman badet sich in diesen Orgien, er erspart dem Leser kein Detail und rückt den Frauen mit Bohrmaschinen, Ratten, Kleiderbügeln und Bolzenschussgeräten zu Leibe. Selbst Hartgesottene werden da an die Grenzen ihrer Zumutbarkeit gelangen, Zartbesaitete werden wahrscheinlich mehr als einmal versucht sein, das Buch ganz zur Seite zu legen.

Diese fürchterlichen Greueltaten werden vom Erzähler nüchtern und emotionslos beschrieben, ganz so, wie man ein Kochbuch schreiben würde. Nach weiteren Seiten offenbart sich dem Leser ein zutiefst gestörter und widerwärtiger Mensch, der seine Kicks über das abartige Meucheln von Frauen sucht. Die Folter- und Mordszenen sind whrlich nichts für zarte Gemüter, da in allen Einzelheiten beschrieben wird, wie der Erzähler seine Opfer malträtiert. Das geht manhcmal durchaus an die Grenze des erträglichen, zumindest was zärtere Gemüter betrifft. Man kann darüber streiten, ob es nötig war, über das eigentlich Unaussprechliche zu schreiben, denn zweiffellos spiegelt das Buch ein Stück traurige Realität. Ob sich das jemand antun möchte, muß jeder selber wissen. Das Buch ist jedenfall sehr gut geschrieben, sieht man einmal von den endlosen Passagen über Kleidung und Lifestyle ab. Dennoch insgesamt überbewertet. Schaurige Unterhaltung, mehr nicht.

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