A. Lee Martinez – Eine Hexe mit Geschmack

Namenlos ist die Hexe und Ich-Erzählerin dieser herrlich komischen Geschichte, die durch einen Fluch gestraft im Keller ihres Elternhauses aufwächst. Die Hexe ist untot, d.h. sie kann auf herkömmlichen Wege nicht altern oder getötet werden und als sie im Alter von 18 Jahren von der Grausigen Edna – einer Hexe und ihrer späteren Mentorin – aus dem elterlichen Keller und einem Leben in Dunkelheit befreit wird, muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie eine wunderschöne Frau ist. Das passt allerdings nicht wirklich in das Bild einer praktizierenden Hexe und so lernt die Namenlose nicht nur allerlei über Magie, sondern auch ihr ansehnliches Äußeres unter Schichten von Dreck und Umhängen zu verbergen.

Als ihre Mentorin eines Tages gewaltsam ums Leben kommt, macht die Hexe sich mit ihrem Vertrauten – einer mordlustigen Dämonenente – auf, um die Grausige Edna zu rächen. Auf ihrem Weg zu ihrer Rache begegnet sie u.a. einem hilfreich intelligenten Troll, einem Weißen Ritter, einer sprechenden Füchsin und allerlei magischen und weniger magischen Wesen. Und bald zeigt sich: Der Hexe und ihren Freunden stehen wichtige Aufgaben und der aussichtslose Kampf gegen eine finstere Macht bevor, die nicht nur ihr Leben, sondern die Realität an sich bedroht.

Und als wäre das nicht schon Problem genug, muss die Hexe Tag für Tag mit ihrem Fluch kämpfen, der sie nach wie vor zu einer wandelnden, Fleisch fressenden Untoten macht. So verzehrt sie sich nämlich nicht nur auf sinnliche Art nach dem Fleisch des besagten Weißen Ritters….stattdessen will sie in regelmäßigen Abständen sein Gesicht abnagen oder sein Blut trinken. Und schon bald wird sich zeigen, was in der Hexe stärker ist – Frau oder Monster.

Was so abgefahren klingt, ist auch so. Die Geschichte und auch der Humor lassen an Terry Pratchett denken und könnte vielleicht auch so ähnlich auf der Scheibenwelt stattgefunden haben. Die Figuren sind liebenswürdig und tiefschichtig gezeichnet, der Humor kommt gerade im ersten Drittel der Geschichte nicht zu kurz und zieht sich angenehm und tiefgründig durch die gesamte Handlung. Besonders weise und anschaulich die Gedankengänge der Hexe zum (Hexen)Leben an sich, der Magie, der Liebe und den Menschen. Eine durch und durch sympathische „Heldin“ ( auch wenn sie so sicher nicht genannt wollen würde ) mit großen Schwächen auf dem Gebiet des menschlichen Zusammenseins, aber trotzdem bewundernswert. Das Ende der Geschichte, was leicht schwach hätte ausfallen können, ist gut gewählt und schließt den Roman gekonnt ab.

Fazit: Ein sehr witziges Buch mit weisen Dialogen, grotesken Situationen und einnehmenden Charakteren. Und wer hätte jemals von einer gleichzeitig so blutrünstigen, wie auch liebenswerten Dämonenente gelesen?

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