Wrath James White – Auf die Toten

Als in San Francisco die Leiche des Kampfsportlers Hollister McCoy im Müll gefunden wird, klemmt sich Elgin Washington hinter den Fall, denn etwas ist sehr merkwürdig. McCoy ist verwest und mit einem seltsamen lila Schimmel überzogen, er war also schon einige Zeit tot, trotzdem wurde ihm erst kürzlich in die Schläfe geschossen, während sein Gehirn noch arbeitete. Hollister bleibt nicht die einzige Leiche, andere Kämpfer tauchen auf, alle verwest. Washington ist selbst Kampfsportler, einige der Toten waren seine Idole und so läßt ihm das Ganze einfach keine Ruhe. Und dann taucht die erste Leiche in Vegas auf, gleichzeitig entdeckt er in einem Internetforum eine Anfrage für Käfigkämpfe mit Zombis. Ein gewissen Bill Vlad scheint hinter den Wetten zu stecken, aber er ist ein Phantom, nicht auffindbar. Veranstaltet er Kämpfe und wandelt die Verlierer um, dass sie als Untote weiter in den Ring steigen können? Als Agent Stern von der CIA auftaucht und Hollisters Leiche samt Untersuchungsergebnissen verschwindet, macht Washington sich auf eigene Faust auf den Weg nach Las Vegas…

Wrath James White: »Als ich an To the Death arbeitete, war für mich das Wichtigste, nichts zu wiederholen, was andere bereits über Zombies geschrieben haben. Es sollte etwas Neues sein, etwas, das nur von mir kommen kann. Also hab ich die Monster in Kampfkäfige gesetzt und gegen Menschen antreten lassen, denn im Kampfsport kenne ich mich sehr gut aus …«

Ich muss sagen, dies war das erste Buch der Festa-Extrem-Reihe das mich persönlich nicht abgeholt hat. Vielleicht lag es an dem Thema der Kämpfe das mich relativ wenig bis gar nicht anspricht oder daran, dass es mir für meinen Geschmack für ein Buch der Festa-Extrem-Reihe etwas zu unblutig und sanft war… ich kann es nicht genau erklären. Ich möchte niemanden von diesem Buch „abschrecken“, der Festa Verlag hat mal wieder hervorragenden Geschmack bewiesen dieses Buch nach Deutschland zu holen, (auf diesem Wege ein großes Dankeschön und liebe Grüße an Inge und Frank) und ich hoffe noch für viele Jahre in das Vergnügen zu kommen mein Regal mit euren Ideen füllen zu dürfen. Für Fans von Zombies und Martial-Arts-Boxkämpfen wird dieses Buch ein blutiger Leckerbissen sein, alle anderen finden hier gewohnte „festastische“ Horrorliteratur. Ich darf sagen dass ich seit meinem ersten Roman des Verlages Monica O Rourkes – Quäl das Fleisch (meiner Meinung nach bis heute das beste Buch im Horrorgenre) in einen Bann gezogen bin der mich nicht mehr so schnell loslassen wird und hoffe dass es euch genauso gehen wird. Auf dass wir auch noch viele viele Jahre in das vergnügen der Festa-Extrem-Reihe kommen dürfen.

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Joseph Duncan – Mort Zombies und Engel

Das dicke Ende kommt erst noch! Ausgerechnet das genetisch manipulierte Konservierungsmittel eines profitgeilen Nahrungsmittelkonzerns löst eine weltweite Zombieplage aus. Milliarden Menschen werden infiziert …

Der übergewichtige Comicshop-Besitzer Mort Lesser stellt sich den Gehirnfressern entgegen. Mort muss verhindern, dass das Atomkraftwerk seiner Heimatstadt von völlig verblödeten Untoten in die Luft gejagt wird. Ein wortkarger, unterbelichteter Kumpel und eine durchgeknallte Stuntfrau sind seine einzigen Helfer, um das Ende der Menschheit zu verhindern. Als plötzlich merkwürdige schwarze Engel als Retter in Erscheinung treten, erkennt Mort, dass noch deutlich mehr hinter der Geschichte steckt.

Eine herrlich schräger Mix aus brutalem Survival-Horror, abartigem Humor und postapokalyptischer Lovestory. Mit vielen Illustrationen. meine Liebe für Horror und Zombies blüht gerade wieder etwas auf. Der Zombie Markt ist ja leider von schlechten Bücher überschwemmt – um so mehr hat es mich gefreut das auch das nächste Zombie Buch aus dem Fest Verlag mich überzeugen konnte …
Gleich zu Beginn kann man mit Protagonist Morten Lesser mitfühlen und durchlebt die gesamte Geschichte an seiner Seite. Der sympathische Anti Held hat sich sofort einen Platz in meinem Herzen gesichert. Doch nicht nur die Hauptfigur ist auf ganzer Länge gelungen, sondern auch seine Freunde – die ihm während der gesamten Zeit treu zur Seite stehen. Mort kein hilfloser dicklicher Nerd sondern ein Kämpfer und kämpft damit nicht nur gegen eine ganze Reihe von Vorurteilen an, sondern auch gegen den schlechten Ruf der Zombie Bücher. Für mich ein absolutes Highlight des bisherigen Lesejahres. Lustig und mit viel Liebe zu den Feinheiten, hat dieses Buch alles was man sich als Leser wünschen kann – und dazu noch wundervolle Illustrationen.
Einen Punkt Abzug gibt es nur für das Ende – hier hätte ich mir doch etwas mehr Überraschungen gewünscht.  Dennoch ist das Buch ABSOLUT zu empfehlen und konnte mich auf jeden Fall in seinen Bann ziehen. Ich hoffe auf eine ebenso gelungene Fortsetzung damit ich weiß, wie es mit Mort weiter geht …

Bentley Littel – Influenz

Nach einer Silvesterparty scheint nichts mehr so zu sein, wie es einmal war. Die Einwohner der Stadt Magdalena, Arizona verändern sich, Kinder verschwinden und seltsame Kreaturen tauchen auf. Doch dies sind nur die ersten Anzeichen eines Showdowns einer finsteren Macht, die die Welt endgültig auslöschen könnte. Nur Ross Lowry, der in das Gästehaus seiner Cousine gezogen ist, scheint die bevorstehende Gefahr zu erkennen.
Ross Lowry, seit kurzem arbeitslos und knapp bei Kasse, zieht zu seiner Cousine Lita und ihrem Mann Dave ins beschauliche Städtchen Magdalena nach Arizona. Kaum hat sich Ross dort einigermaßen akklimatisiert, geschehen merkwürdige Dinge: Tiere verwandeln sich in dämonische Kreaturen und die Einwohner spielen verrückt.
Influenz war auf durchgehenden 300 Seiten so richtig interessant und unglaublich spannend. Die unheimliche Bedrohung war von Anfang an zu spüren und mich hat das Buch nonstop gefesselt… Der Showdown am Ende konnte das Ruder dann auch noch einmal so richtig herumreißen, obwohl er nicht direkt als solcher zu erkennen ist. Stets gruselig und auch hin und wieder ganz leicht eklig ging es in Influenz zu und mitunter fand ich gerade diese Momente auch super spannend, wodurch mich das Buch durchgehend gefesselt und unterhalten hat.

Bret Easton Elles – American Psycho


Der Zugang zu American Psycho ist mir nicht eben leicht gefallen, zumal das Buch ausschließlich von Menschen bevölkert wird, die ich im Prinzip nicht ertrage, nämlich solche, die sich über ihre Kleidung, ihren Besitz und ihre goldene AM-Ex-Karte definieren, die viel reden, aber nichts zu sagen haben.

Die ersten 200 Seiten handeln nahezu ausschließlich in teuren Nobelrestaurants und Edel-Clubs, was mitunter außerordentlich ermüdend ist, da der Erzähler immer wieder auf das genaueste beschreibt, was seine Freunde anhaben. „Price trägt einen Leinenazug von Canali Milano, ein Baumwollhemd, eine gepunktete Krawatte ….“ und so weiter und so fort. Die detailiierte Beschreibung der Klamotten kann sich dann durchaus über mehrere Seiten hinziehen. Die Gespräche der Romanfiguren drehen sich meist um den richtigen Sitz einer Krawattennadel, um Klatsch und Tratsch aus der Broker-Szene und die neuesten Nachrichten von Donald Trump. Frauen werden auf „Hardbodys“ reduziert und sind eigentlich nur zum Sex zu gebrauchen. Ich habe dann durchaus diese ermüdenden Stellen übersprungen. Ab Seite 200 schleicht sich dann leichtes Unbehagen ein, wenn der Erzähler ganz beiläufig anmerkt, das er gestern den Hund zu Tode gequält hat, den er letzte Woche in einem Zoo-Geschäft gekauft wird. Beim lesen wird einem zunehmend mulmiger und das Buch fängt an, wirklich interessant zu werden. Dann der erste Mord an einem Penner, den der Erzähler nach einem guten Essen in einem Nobelrestaurant zunächst einmal beide Augen aussticht.

„American Psycho“, das ist die Geschichte von Patrick Bateman: 27, Angestellter an der Wall Street, steinreich, intelligent und natürlich gut aussehend. Pat hat einen undefinierbaren Job, bei dem er an einem Designerschreibtisch sitzt und seine Sekretärin rumkommandiert. Doch dieser Job ist längst nicht sein Lebensmittelpunkt. Viel wichtiger ist es, abends mit Arbeitskollegen und schicken Begleitungen in angesagten Restaurants zu sitzen, einen gestählten Körper zu haben und die morgendliche Talk Show nicht zu verpassen. Bald wird klar, dass Pat Batemans Leben eine furchtbar öde Routine ist, die den Protagonisten gleichzeitig unter ständigen Leistungsdruck setzt. Denn an der Wall Street zählen nichts als Statussymbole. „In“ sein ist alles. Verpasst zu haben, dass dieses oder jenes Restaurant mittlerweile out ist, ist ein unverzeihlicher Fauxpas. Einen Fehler im Dresscode zu machen, ist ebenso katastrophal. Immer |up to date| sein, was Mode und Trends angeht, wird für Pat zur Lebensaufgabe.

Doch Bateman bricht auf ganz eigene Art aus diesem Trott aus. Der aalglatte und perfekte Yuppie mutiert nachts zum total durchgeknallten Serienkiller, der Frauen, die er „Girls“ nennt, scharenweise auf brutalste Weise umbringt. Und das ist gerade der Knackpunkt des Romans. Während sich der Leser damit abgefunden hat, dass es sich bei „American Psycho“ um ein Buch bar jeder Handlung handelt, fällt plötzlich Batemans kranke Psyche wie ein Orkan über die bisher so geradlinige und vorausschaubare Erzählung her. Er lädt sich Nutten ein, er verführt Dates und sein Charme und sein Geld wiegen sie alle in falscher Sicherheit. Bis er anfängt, sie tagelang zu foltern und zu quälen. Und nicht nur die Frauen müssen Höllenqualen ausstehen. Auch der Leser wird nicht geschont, denn Ich-Erzähler Bateman badet sich in diesen Orgien, er erspart dem Leser kein Detail und rückt den Frauen mit Bohrmaschinen, Ratten, Kleiderbügeln und Bolzenschussgeräten zu Leibe. Selbst Hartgesottene werden da an die Grenzen ihrer Zumutbarkeit gelangen, Zartbesaitete werden wahrscheinlich mehr als einmal versucht sein, das Buch ganz zur Seite zu legen.

Diese fürchterlichen Greueltaten werden vom Erzähler nüchtern und emotionslos beschrieben, ganz so, wie man ein Kochbuch schreiben würde. Nach weiteren Seiten offenbart sich dem Leser ein zutiefst gestörter und widerwärtiger Mensch, der seine Kicks über das abartige Meucheln von Frauen sucht. Die Folter- und Mordszenen sind whrlich nichts für zarte Gemüter, da in allen Einzelheiten beschrieben wird, wie der Erzähler seine Opfer malträtiert. Das geht manhcmal durchaus an die Grenze des erträglichen, zumindest was zärtere Gemüter betrifft. Man kann darüber streiten, ob es nötig war, über das eigentlich Unaussprechliche zu schreiben, denn zweiffellos spiegelt das Buch ein Stück traurige Realität. Ob sich das jemand antun möchte, muß jeder selber wissen. Das Buch ist jedenfall sehr gut geschrieben, sieht man einmal von den endlosen Passagen über Kleidung und Lifestyle ab. Dennoch insgesamt überbewertet. Schaurige Unterhaltung, mehr nicht.

A. Lee Martinez – Eine Hexe mit Geschmack

Namenlos ist die Hexe und Ich-Erzählerin dieser herrlich komischen Geschichte, die durch einen Fluch gestraft im Keller ihres Elternhauses aufwächst. Die Hexe ist untot, d.h. sie kann auf herkömmlichen Wege nicht altern oder getötet werden und als sie im Alter von 18 Jahren von der Grausigen Edna – einer Hexe und ihrer späteren Mentorin – aus dem elterlichen Keller und einem Leben in Dunkelheit befreit wird, muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie eine wunderschöne Frau ist. Das passt allerdings nicht wirklich in das Bild einer praktizierenden Hexe und so lernt die Namenlose nicht nur allerlei über Magie, sondern auch ihr ansehnliches Äußeres unter Schichten von Dreck und Umhängen zu verbergen.

Als ihre Mentorin eines Tages gewaltsam ums Leben kommt, macht die Hexe sich mit ihrem Vertrauten – einer mordlustigen Dämonenente – auf, um die Grausige Edna zu rächen. Auf ihrem Weg zu ihrer Rache begegnet sie u.a. einem hilfreich intelligenten Troll, einem Weißen Ritter, einer sprechenden Füchsin und allerlei magischen und weniger magischen Wesen. Und bald zeigt sich: Der Hexe und ihren Freunden stehen wichtige Aufgaben und der aussichtslose Kampf gegen eine finstere Macht bevor, die nicht nur ihr Leben, sondern die Realität an sich bedroht.

Und als wäre das nicht schon Problem genug, muss die Hexe Tag für Tag mit ihrem Fluch kämpfen, der sie nach wie vor zu einer wandelnden, Fleisch fressenden Untoten macht. So verzehrt sie sich nämlich nicht nur auf sinnliche Art nach dem Fleisch des besagten Weißen Ritters….stattdessen will sie in regelmäßigen Abständen sein Gesicht abnagen oder sein Blut trinken. Und schon bald wird sich zeigen, was in der Hexe stärker ist – Frau oder Monster.

Was so abgefahren klingt, ist auch so. Die Geschichte und auch der Humor lassen an Terry Pratchett denken und könnte vielleicht auch so ähnlich auf der Scheibenwelt stattgefunden haben. Die Figuren sind liebenswürdig und tiefschichtig gezeichnet, der Humor kommt gerade im ersten Drittel der Geschichte nicht zu kurz und zieht sich angenehm und tiefgründig durch die gesamte Handlung. Besonders weise und anschaulich die Gedankengänge der Hexe zum (Hexen)Leben an sich, der Magie, der Liebe und den Menschen. Eine durch und durch sympathische „Heldin“ ( auch wenn sie so sicher nicht genannt wollen würde ) mit großen Schwächen auf dem Gebiet des menschlichen Zusammenseins, aber trotzdem bewundernswert. Das Ende der Geschichte, was leicht schwach hätte ausfallen können, ist gut gewählt und schließt den Roman gekonnt ab.

Fazit: Ein sehr witziges Buch mit weisen Dialogen, grotesken Situationen und einnehmenden Charakteren. Und wer hätte jemals von einer gleichzeitig so blutrünstigen, wie auch liebenswerten Dämonenente gelesen?