Simone Trojahn – Kellerspiele

Wirklich harte Kost, die uns Simone Trojahn hier auftischt! Kellerspiele war mein erstes Buch von der Autorin und ich war echt positiv überrascht!

….Als die beiden Brüder nacheinander den Keller betraten, drückte Laura sich so fest gegen die Wand,als wollte sie darin verschwinden,die Arme um den Körper geschlungen,die Beine angezogen.Karl erreichte sie zuerst. Er hielt die Eisenstange in der Hand,die sie nur zu gut kannte,da es kaum eine Stelle an ihr gab,die nicht schon Bekanntschaft damit gemacht hatte….

Karl ist entsetzt und verzweifelt, als sein Bruder anfängt, den Keller umzubauen, um dort eine Frau gefangen zu halten.Hilflos muss er schon bald darauf die Qualen der entführten Laura mit ansehen.Die psychische Abhängigkeit von seinem älteren Bruder ist zu stark, um irgend etwas dagegen zu unternehmen. Noch schlimmer wird seine Verzweiflung und innere Zerrissenheit, als ihm allmählich bewusst wird, dass Mitleid bei weitem nicht die einzige Emotion ist, die das Leid des gepeinigten Mädchens bei ihm auslöst…

Bevor man “Kellerspiele” liest, sollte man Folgendes beachten: Dieses Buch enthält explizite Darstellungen physischer, psychischer und sexueller Gewalt, die für sensible Menschen und Personen unter 18 Jahren nicht geeignet sind! Nicht zum ersten mal habe ich eine solche Information gelesen bevor ich mir ein Buch gekauft habe… allerdings war dies das erste mal dass diese Information wirklich auch zugetroffen hat. Ich bin normalerweise nicht leicht zu schokieren… ich liebe Horror- und Fantasy sowohl im Film- als auch im Buchbereich und habe wirklich schon einiges gesehen und auch gelesen. Ich mag den Festa-Verlag und auch dessen Festa-Extrem-Reihe und wer sich hier etwas auskennt der weiss wovon ich rede dass man dadurch doch so einiges gewohnt ist. Das dachte ich zumindest, bis ich Kellerspiele gelesen habe…

Zunächst mal handelt es sich meiner Meinung keineswegs um das Genre „Psychothriller“. Um dem gerecht zu werden, bedarf es mehr als Folter und Qual – bis ins letzte Detail beschrieben. Dazu gehören gut durchdachte Entwicklungen, überraschende Wendungen, gerne auch mal (dosierte) Schockmomente, kurz: Spannung. All das fehlt dem Buch total. Eine Story ausschließlich auf der Schilderung der Folterung einer jungen Frau aufzubauen ist einfallslos und langweilig. Auch die reichhaltig eingebauten Ekelmomente helfen da nicht weiter.

Das Problem, das ich mit dem Buch hatte, war nicht die detailliert beschriebene Brutalität, sodass man auf jeder Seite wusste, dass sie wieder halbtot geschlagen wird – sondern um eine andere Problematik: Es geht allein um die aktuellen Beschreibungen der Personen, die sich ständig wiederholen: Okay, wir wissen er ist Säufer, ja er prügelt gerne und er ist Sadist. Ja, sie wird jeden Tag übelst zusammengeschlagen und leidet. Allerdings hat man das bereits hunderte male gelesen, jedoch in wesentlich höherer Qualität.

Ich glaube, die Einordnung des Buches ist falsch, unter Psychothriller erwartete ich personelle und zwischenmenschliche Veränderungen, interessante Wendungen, einen Nervenkrieg (den kann es aber bei einer so hilflosen Person wie Laura nicht geben) und einen „Aha-Effekt“, wenn es um die Aufklärung der Motive geht. Das alles fehlt in dem Buch. Selbst die Veränderung des Bruders des Sadisten bleibt so flach, dass man sie einfach nicht nachvollziehen kann und man auch herzlich unbewegt bleibt, als Karl um seinen Hund trauert und zum ersten Mal so etwas wie Mitgefühl zeigt. Am Ende schafft es die Autorin, dass man durch ein aufwühlendes Buch eigentlich gelangweilt blättert, denn man stumpft ab und mehrfach dazu geneigt ist das Buch unvollendet abzubrechen.

Ich möchte mich nicht negativ über diesen Roman äußern denn ich respektiere die Leistung des Autoren so etwas überhaupt erst zu Stande zu bringen was ich persönlich nicht hätte leisten können. Und ich möchte auch niemanden davon abhalten dieses Buch zu kaufen und zu lesen. Es mag sicherlich Leute geben die mit diesem Roman mehr anfangen können. Wenn dies der Fall sein sollte dann dürfen Sie gerne die Autorin weiter unterstützen und deren Bücher lesen. Es ist wichtig dass es eine Vielfalt von Büchern, Geschichten und auch Meinungen gibt um die Vielfalt auf dem Buchmarkt zu gestalten und zu

Das erschreckende an „Kellerspiele“ ist, dass es sehr realitätsnah gehalten ist. Es geht weder um Zombies, noch irgendwelche anderen Kreaturen, sondern um das schlimmste Monster, das tatsächlich existiert: Der Mensch.
Dazu baut „Kellerspiele“ auf einer alltäglichen Ausgangssituation auf, die eigentlich jeder nachvollziehen kann: Ein Teenager Mädchen joggt morgens vor der Schule durch den Wald und verschwindet spurlos.

Ich fand das Buch spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Simone Trojahn baut eine extrem beklemmende Atmosphäre auf und man kann ihr einfach nicht entrinnen.
Auf alle drei Charaktere wird intensiv eingegangen und man kann sich ein klares Bild davon machen, was in ihren Köpfen vor sich geht.

Advertisements

2 Gedanken zu „Simone Trojahn – Kellerspiele

  1. Sehr gute Rezi. An sich finde ich es auch super, dass du am Ende erwähnst, dass du das Buch nicht schlecht machen willst oder die Leistung der Autorin mindern willst. Andererseits sollte das eigentlich jeden klar sein, dass es bei einer rezi um die eigene persönliche Meinung geht und nicht darum etwas schlecht zu machen 😊

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s