Jeremy Robinson – Nemesis

Als Mitarbeiter der Abteilung für Paranormale Aktivitäten des Heimatschutzministeriums hat Sonderermittler Jon Hudson nicht wirklich viel zu tun. Und auch dieses Mal geht er davon aus, dass die Bigfoot-Sichtungen in den Wäldern von Maine nichts weiter als heiße Luft sind. Umso erstaunter ist er, als er gemeinsam mit dem örtlichen Sheriff, Ashley Collins, im Wald auf eine geheime Militärbasis stößt. Plötzlich werden sie von schwerbewaffneten, kampferprobten Soldaten gejagt. Währenddessen erreicht ein verbotenes Experiment seinen schrecklichen Höhepunkt und wenig später ist in den Wäldern von Maine der Teufel los. Hudson und Collins sehen sich von einer monströsen Kreatur verfolgt, die auf diesem Planeten einzigartig ist. Binnen weniger Sekunden katapultiert sie sich an die Spitze der Nahrungskette und tötet alles, was sich ihr in den Weg stellt. Zu allem Überfluss bekommen es der Sonderermittler und seine neue Partnerin auch noch mit dem wahnsinnigen General Lance Gordon und seinem skrupellosen Bodyguard Endo zu tun. Das Monster Nemesis, benannt der nach der griechischen Göttin der Zerstörung, wächst derweil immer weiter und bewegt sich unaufhaltsam in Richtung Portland und Boston …

MEINUNG:

Echte Monster-Thriller sind rar gesät und richtig gute regelrechte Mangelware. Umso schöner ist es daher, dass nun endlich Jeremy Robinsons „Project: Nemesis“ hierzulande in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Unter dem einfachen und prägnanten Titel „Nemesis“ hat der Festa Verlag diese Perle der phantastischen Literatur in sein Programm aufgenommen.
In der Tradition des Kaijū Eiga, des sogenannten japanischen Riesenmonster-Films, erzählt der Autor seine Story vom amerikanischen Godzilla. Dabei begnügt er sich jedoch nicht damit ein Riesenvieh von den Ausmaßen eines Hochhauses durch eine Großstadt trampeln zu lassen und sich Gefechte mit dem Militär zu liefern. Vielmehr bastelt Robinson auch eine schlüssige, wenngleich sehr abgefahrene Hintergrundgeschichte, die dem Monster, trotz seiner Gefährlichkeit, einige Sympathiepunkte einbringt.
Im Gegensatz zu den meisten Monsterfilmen gibt es auch einen echten Protagonisten, ohne den eine sogenannte Kaijū Novel vermutlich gar nicht funktionieren würde. Dass Jon Hudson die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, bringt den Leser nur umso dichter ans Geschehen und darüber hinaus gibt es mit General Lance Gordon sogar einen richtigen Bösewicht, denn das Monster kann man wie ein Tier für seine Taten natürlich nicht zur Rechenschaft ziehen. Allerdings spricht es für den Autor, dass die Herkunft des Monsters weit komplizierter ist, als der übliche Mutations-Plot.
Die Charaktere sind sehr sympathisch gezeichnet und dennoch glaubhaft. Angefangen vom spleenigen Jon Hudson, der seinen Pick-Up-Truck Betty nennt, seine Geheimratsecken unter einer Mütze verbirgt und obendrein der einzige Sonderermittler für Paranormales in den Vereinigten Staaten ist. Ihm zur Seite steht Ashley Collins, das weibliche Äquivalent zu einem Hans-Dampf-in-allen-Gassen; eine toughe Frauenfigur, die selbst Ripley alt aussehen lässt. Schließlich sind da noch der Pilot Woodstock, der Computer-Freak und Vorzeige-Nerd Watson und die kühle Koordinatorin Cooper. Lance Gordon zeigt dagegen in seiner absoluten Bösartigkeit wenig Profil, im Gegensatz zu dem Japaner Endo, der zumindest einige moralische Prinzipien vertritt.
So wie im ersten GODZILLA-Film aus dem Jahr 1954, so muss auch Nemesis bei seinem ersten Auftritt (noch) nicht gegen andere Riesenviecher antreten und darf sich damit begnügen, Städte platt zu machen und allerlei Militär-Gerät zu verschrotten. Dass Nemesis erst im Lauf des Romans zu seiner endgültigen Größe heranwächst ist ein weiterer kleiner Geniestreich des Autors. Letztendlich stören nur kleine Mängel bei der Übersetzung und/oder im Lektorat und die etwas konstruiert wirkende Love-Story des Protagonisten, die aber immerhin nicht allzu kitschig daherkommt. Dank des minimalistischen und humorvollen Schreibstils von Robinson ist „Nemesis“ ein Buch, das man nur ungern zur Seite legt. Oftmals hadere ich mit Büchern, die mehr als 500 Seiten haben, in diesem Fall hätte ich sie mir gewünscht.
Wer sich über das relativ offene Ende ärgern sollte, der darf beruhigt sein, denn in den USA liegen bereits zwei Fortsetzungen zu diesem einzigartigen und originellen Roman vor. So besteht die nicht unbegründete Hoffnung, dass diese demnächst auch in deutscher Sprache erscheinen werden.

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