John Everson – Ligeia

51wS6z-fS7LMit Haut und Haar verfällt Evan der bildschönen Ligeia, die ihn mit ihrem betörenden Gesang Abend für Abend zum Strand lockt. Er wird erst misstrauisch, als mehrere Leichen vor der Küste der verschlafenen Hafenstadt Delilah auftauchen.

Hinter der geheimnisvollen Fremden steckt jedoch mehr: Ihre Spur führt zurück ins Jahr 1887, auf ein Schmugglerschiff, dessen Crew einer Bestie in Frauengestalt zum Opfer fiel. Als Evan erkennt, auf wen er sich eingelassen hat, hat ihn Ligeia bereits in die Tiefe des Ozeans entführt …

John Everson geht mit „Ligeia“ meinem Empfinden nach mit einer sehr guten Idee an den Start, eine Horrorstory um eine sagenumwobene Meerjungfrau, gepaart mit einer Menge prickelnder Erotik, die die Lenden des Lesers an der Geschichte – an Eversons geschickten Erzählkunst – wahrhaft teilhaben lässt. Der erotische Part in der Geschichte ist mehr als gelungen.

Seine Stärke liegt in der geschickten Art diese Geschichte zu erzählen, in der er sich einer sehr angenehmen Sprache bemächtigt, mit der er den Leser von Anfang an in die Story hineinzieht. Hierbei kommt er ganz ohne überkandidelt wirkende Sätze aus, bestückt die Figuren mit genau der Ausdrucksweise, die ihrer Herkunft und ihrem sozialen Umfeld gerecht werden. Nur so wirken und erscheinen sie als glaubhafte Charaktere.

„Auffällig dabei, John Everson hat sie nicht einmal mit einem „Nachnamen“ bedacht.“

Optisch nicht sonderlich klar gezeichnet, gleichen sie eher einer verwaschenen Jeans. Das Seelenleben von Ewan und Sarah hingegen, die sich seit dem Tod ihres Sohnes fast nur noch wie in Trance bewegen und Leben, wird von innen nach außen gekrempelt und entblößt sie vollständig. Es wird dem Leser förmlich vor die Füße geworfen, frei nach dem Motto, mal sehen wie du dich nach solch einem grausamen Verlust fühlen würdest, ob du dich völlig frei von Schuld sprechen könntest. Natürlich reicht diese Konstellation völlig aus, um Ewan mit Haut und Haaren zu verfallen und ihn so wie ein Schatten durch die Geschichte zu begleiten.

Als wahrer Glücksgriff entpuppt sich hierbei der Einbau von Rückblenden in das vorangegangene Jahrhundert, eine sehr kluge und interessante Entscheidung zugleich. Sie sind aufschlussreich und vermitteln dem Leser das nötige Hintergrundwissen zur „Meerjungfrau“ Ligeia und ihren Eigenarten. John Everson provoziert somit eine Art Kopfkino, in dem vor dem geistigen Auge des Lesers genau das abläuft, was Ewan im Verlauf der Geschichte erwarten wird, schonungslos und ohne happy end.

Was mir in „Ligeia“ noch ein Stück weit gefehlt hat um den Roman endgültig zu einen „Top“ Werk hätte aufsteigen lassen, ist das „I“Tüpfelchen in Sachen Spannung. Sie ist zwar zugegen, aber aufgrund der Konstellation hätte ich noch einen Hauch mehr erwartet. Der Einbau von unerwarteten und unvorhersehbaren Wendungen wäre ein durchaus probates Mittel gewesen, um dem Leser des Öfteren vom sicher geglaubten Pfad abzubringen, ihm somit erstaunte Ausrufe zu entlocken und die Dramatik noch zu schüren, die einem Thriller oder Horrorroman das Prädikat „Extraklasse“ verleiht. Die Story ist wirklich gut, aber meinem Empfinden nach eben eine Spur zu gradlinig.

Mein Fazit: „Nichts desto trotz, auch wenn meines Erachtens das ganz große Kino ausblieb, ist „Ligeia“ aufgrund der weiter oben schon erwähnten Gegebenheiten ein wirklich klasse Roman, der sich leicht und flüssig lesen lässt, man sich der Hauptfigur richtig nahe fühlt und einem ein paar schöne Stunden bereitet. „Ligeia“ lässt ganz klar auf mehr von diesem wirklich talentierten Schriftsteller hoffen.“

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