Brett McBean – Buk und Jimmy ziehen nach Westen

McBean, der bereits mit dem Roman „Die Mutter“ sein schriftstellerisches Talent unter Beweis stellte, hat mit der vorliegenden Story ein blutiges Roadmovie verfasst, an dem Quantin Tarantino seine helle Freude haben würde. Kein anderer schien überdies Pate für die Handlung gestanden zu haben, zu sehr erinnert das Setting an „Natural Born Killers“ und „From Dusk Till Dawn“. Bei diesen Filmen hat Tarantino zwar keine Regie geführt, aber dafür kräftig am Drehbuch mitgewirkt. Entsprechend ist der „Held“ der Geschichte auch ein absoluter Filmfreak, weshalb sich der Autor zu dem literarischen Kniff hat hinreißen lassen, die einzelnen Kapitel durch Beschreibungen der Kulissen in Form eines Drehbuch-Skriptes einzuläuten. Den Mittelteil des schmalen Taschenbuchs bildet der Ausschnitt eines Storyboards (die zeichnerische Darstellung eines Drehbuchs, ähnlich einem Comic), von dem sich auch Ausschnitte auf dem Cover finden. buk_und_jimmy (1).jpgSo steht dieser Roman ganz im Zeichen des Films, der aber gewiss nichts für schwache Nerven ist. Andernfalls hätte er auch nichts in der Reihe FESTA EXTREM zu suchen gehabt. Buk ist wirklich ein fieser Mistkerl und seine Morde sind selbst für starke Mägen eine Herausforderung. Trotz der blutigen Splatter-Szenen ist Brett McBean eine exzellente Charakterisierung gelungen. Kontrovers betrachtet werden müssen eigentlich nur die letzten beiden Kapitel (sofern man nicht ohnehin die komplette Novelle aufgrund ihrer expliziten Gewaltdarstellung kontrovers sehen möchte). ACHTUNG SPOILER!
Fragwürdig und lästig dürfte für einige Leser die unangenehme Neigung englischsprachiger Horror-Schriftsteller zu unangemessener Religiosität sein. Warum um alles in der Welt muss Buks Horror-Trip mit einer Filmaufnahme enden, bei der ein Engel Regie führt und Gott der Produzent ist? Auch Edward Lee, Bryan Smith und Brian Keene haben schon ähnliche Anwandlungen gehabt und das Böse dieser Welt mit göttlicher Vorsehung zu erklären versucht. Wenn man sich drauf einlassen kann, ein netter Schlussgag, aber irgendwie auch unbefriedigend. Es ist immer spannender zu lesen, wie sich normale Menschen aus eigener Kraft aus der Bredouille retten, als das irgendwelche göttlichen Boten die Drecksarbeit für sie erledigen. Richard Laymon und Jack Ketchum haben solche Sperenzchen jedenfalls nicht nötig gehabt. Und dabei hat Brett McBean es durchaus drauf. Wie gesagt, die ersten 120 Seiten sind richtig gut – flott geschrieben, brutal und blutig. Die letzten beiden Kapitel erfordern jedoch sehr viel guten Willen und Toleranz.

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